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„Abschied vom traditionellen Ärztebild?“ – Eine Entgegnung auf den Beitrag von Dr. Elmar Wille, „Berliner Ärzte“ vom November 2013

Berlin, 18. Dezember 2013 - Sehr geehrter Herr Kollege Wille, für Ihren Kommentar in der Novemberausgabe der „Berliner Ärzte“ gebührt Ihnen, wie ich finde, höchster Respekt. Sie machen deutlich, wie der deutsche Staat, in dem Glauben, dass er besser als der mündige Bürger in der Lage ist, zu definieren, was dieser „mündige“ Bürger braucht, unser Gesundheitswesen umbaut. Und er tut das indem er, gewollt oder ungewollt, die Freiberuflichkeit abschafft. Und das unabhängig von der Parteizugehörigkeit des jeweiligen Ministers.

Appell an Vize-Kammerpräsidenten Dr. Elmar Wille - Es müssen wieder mehr Ärzte den Mut haben, sich selbstständig zu machen. (© Kathleen Frierich)

Es ist richtig, dies so klar auszudrücken, wie Sie es getan haben. Vielleicht darf man noch Hoffnung haben, in der Politik die Einsicht dafür zu wecken, wie einzigartig und wertvoll die freiberufliche Ausübung des ärztlichen Berufes in diesem Land ist. Der NAV-Virchow-Bund in Berlin-Brandenburg pflichtet Ihnen bei und wird Sie gern unterstützen.

Wenn man jedoch die gesamte Problematik in den Blick nimmt, wird man nicht umhin kommen, Fragen nicht nur an Staat und Politik zu richten, sondern auch an die Selbstverwaltung, insbesondere an ihren ärztlichen Teil: Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen.

Ist es wirklich nur der Staat, der Bedingungen schafft, die es angenehmer erscheinen lassen, angestellt zu arbeiten? Arbeitet nicht auch die Selbstverwaltung, also die von uns Ärzten frei gewählten Organe, in diesem Sinne? Ist nicht der Geist der Ärztekammern schon geprägt von Einstellungen, die aus angestellter Arbeit resultieren, von gewerkschaftlichen Ansichten? Nach Ablauf der nächsten ein bis zwei Amtsperioden werden wohl auch die kassenärztlichen Vereinigungen in ihren jeweiligen Vertreterversammlungen eine Mehrheit angestellter Ärzte haben.

Was tun Kammern und KVen, um die Attraktivität der freiberuflichen ärztlichen Arbeit zu fördern? Die ärztliche Fortbildung, so wie sie bisher organisiert wird, ist der Förderung einer freiberuflichen Tätigkeit nicht dienlich. In Zukunft werden angestellte Ärzte sich während bezahlter Fortbildungstage, gewerkschaftlich hart erkämpft, ihre Punkte sichern, der niedergelassene Arzt wird dies weiterhin nach Praxis-Schluss tun.

Ein niedergelassener Freiberufler muss die Erfordernisse seiner Praxis, die Fortbildungspflicht und sein doch so sehr gewünschtes Engagement in der Selbstverwaltung zueinander bringen können – dies muss von der Selbstverwaltung unterstützt werden. Sind die Richtlinien der Bundesärztekammer tatsächlich auf die Möglichkeiten einer freiberuflichen Einzelpraxis zugeschnitten? Mittlerweile lassen sie sich doch nur noch in Groß-Polikliniken mit straffer Verwaltung und Organisation umsetzen. Beispielhaft sei hier die Richtlinie zum Labor mit ihren 77(!) Seiten genannt. Die umfassenden Prüf- und Regressmöglichkeiten der KVen sind für einen einzelnen freiberuflichen Arzt wesentlich existenzbedrohender als für einen angestellten Arzt eines großen Klinikkonzerns oder künftig einer Kommune. Diese Aufzählung ließe sich fast endlos fortsetzen.

Muss nicht in unserem eigenen Selbstverständnis, in dem Selbstverständnis der Kollegen die in Kammern und KVen das Sagen haben, ein Umdenken einsetzen? Erfüllt die Selbstverwaltung nicht die Vorgaben der Politik zu mehr als hundert Prozent? Es gibt durchaus Spielraum, der im Interesse einer freien Berufsausübung genutzt werden sollte.

Ich stelle diese Fragen mit Bedacht Ihnen, der Sie seit vielen Jahren die Berliner Gesundheitspolitik und die Berliner Ärztekammer mitprägen. Ich weiß nicht, ob es gelingt, die Politik zu einer Kurskorrektur zu bewegen. Aber ist es nicht viel wichtiger, vor der eigenen Haustür, bei uns selbst zu beginnen? Erst dadurch gewinnt man die richtige Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft.

„Der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe. Er ist seiner Natur nach ein freier Beruf.“

Sehr geehrter Herr Kollege Wille, Sie zitieren zu Recht diesen zentralen Satz aus unserer Berufsordnung. Die ärztliche Selbstverwaltung muss dafür Sorge tragen, dass dies auch so bleibt, dass wieder mehr Ärztinnen und Ärzte den Mut, ja die Lust haben, sich selbstständig zu machen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür wirken.

Mit herzlichen, kollegialen Grüßen, Ihr

Mathias Coordt
Stellvertretender Vorsitzender der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des NAV-Virchow-Bundes, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands

Der Virchowbund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

Virchowbund
Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands
Landesgruppe Berlin/Brandenburg
Landesvorsitzende: Dr. Christiane Wessel
Markgrafenstraße 20
10969 Berlin
Tel.: 030 / 61 43 04 0
E-Mail: wessel@virchowbund.de

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