COVID-19-Impfung

FAQ für niedergelassene Ärzte

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zur Organisation der Impfung in den Praxen. Bitte beachten Sie, dass es in einigen Fällen regionale Abweichungen geben kann. Fragen Sie im Zweifel Ihre KV.

Wenn Ihre Frage hier noch nicht beantwortet wird, wenden Sie sich an unsere Rechtsberatung unter 030 / 28 87 74 - 125 bzw. recht@virchowbund.de. Nutzen Sie auch die PraxisNachrichten der KBV.

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Praxisabläufe

Wer soll eine vierte Impfung erhalten?

Die STIKO empfiehlt eine vierte Impfung für

  • Personen mit Immundefizit ab 5 Jahren
  • Personen über 60 Jahren
  • Bewohner von Pflegeeinrichtungen
  • Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt

 

Die vierte Impfung der gefährdeten Personengruppe sollte frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischimpfung stattfinden. Beim Gesundheits- und Pflegepersonalsoll der Abstand zur ersten Auffrischimpfung mindestens sechs Monate betragen. In begründeten Fällen kann die Impfung auch bereits nach frühestens drei Monaten erwogen werden. 

Für die Auffrischimpfungen soll in der Regel ein mRNA-Impfstoff verwendet werden.

Zur Abrechnung werden dieselben Codes verwendet wie bei der dritten Impfung.

 

Lesen Sie auch: Mit welchem Impfstoff soll geboostert werden?

Wer soll eine dritte Impfung als Auffrischungsimpfung erhalten?

Die STIKO empfiehlt eine Dritte Impfung bzw. Auffrischungsimpfung für alle, deren Grundimmunisierung bzw. durchgemachte Infektion bereits 3 Monate oder länger zurückliegt.

Zur Abrechnung werden die bereits bekannten Pseudoziffern ergänzt:

  • allgemeine Auffrischimpfung: „R“
  • Auffrischimpfung bei Pflegeheimbewohnern: „K“
  • berufliche Indikation: „X“

 

Lesen Sie auch: Mit welchem Impfstoff soll geboostert werden? und Wer haftet für Impfschäden?

Welcher Abstand zu anderen Impfungen oder einer Narkose ist empfehlenswert?

Die COVID-19-Impfung via mRNA (Moderna, Biontech) und Totimpfstoffe beispielsweise gegen Influenza können am selben Tag gegeben werden. Injizieren Sie in unterschiedliche Gliedmaßen.

Eine Impfung mit dem Totimpfstoff Nuvaxovid (Novavax) kann gleichzeitig mit einem Influenza-Totimpfstoff verabreicht werden. Zur Verabreichung anderer Tot- und Lebendimpfstoffe wird ein Abstand von 14 Tagen empfohlen.

Der Impfabstand zwischen Grundimmunisierung bzw. durchgemachter Infektion und Auffrischungsimpfung (Booster) sollte laut STIKO-Empfehlung mindestens 3 Monate betragen.

Wer haftet für Impfschäden?

Für die Corona-Schutzimpfung gelten dieselben Haftungsregeln wie z. B. bei der jährlichen Grippeimpfung. Als impfender Arzt bzw. impfende Ärztin müssen Sie die üblichen ärztlichen Sorgfalts- und Aufklärungspflichten erfüllen.

Der Behandlungsvertrag sieht eine Behandlung nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards vor. Dazu gehört auch die umfassende Aufklärung zu möglichen erwünschten und unerwünschten Reaktionen auf den Impfstoff sowie zu Kontraindikationen.

Wer also nach den aktuellen Empfehlungen der STIKO gegen SARS-CoV-19 impft und aufklärt, bewegt sich üblicherweise innerhalb dieses Standards.

Auch eine zulassungsüberschreitende Impfung führt zu Anspruch auf Versorgung im Schadensfall, wenn die zulassungsüberschreitende Impfung nach ärztlicher Einschätzung und nach dem Stand der Wissenschaft medizinisch vertretbar ist.

Somit sind z. B. auch heterologe Impfungen, vorgezogene Booster-Impfungen sowie etwaige Viert- und Folgeimpfungen abgesichert. Nicht abgesichert sind Impfungen von Kindern unter 5 Jahren, da diese nach dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht geimpft werden können.

Mehr zum Thema Haftung beim Impfen in der Arztpraxis und im Impfzentrum lesen Sie im Praxisärzte-Blog.

Kann ich die Impfung an meine MFA delegieren?

Ja, auch nichtärztliche Mitarbeiter dürfen impfen, wenn sie nachweislich dazu qualifiziert und geschult wurden. Als delegierender Arzt müssen Sie sich von dierser Qualifikation überzeugen und in unmittelbarer Nähe aufhalten. Der Facharztstandrad muss immer gewahrt bleiben.

Impfanamnese und -aufklärung sind nicht delegierbar. Erfahren Sie hier mehr zur Delegation.

Impfstoffe und Impfzubehör

Mit welchem Impfstoff soll geboostert werden?

Eine Zulassung der EU-Kommission für die Auffrischungsimpfung liegt für die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna für alle Personen ab 18 Jahren vor.

  • Grundimmunisierung mit mRNA-Impfstoff -> Booster-Imfpung mit mRNA-Impfstoff (BioNTech oder Moderna)
  • Grundimmunisierung mit Vektor-Impfstoff -> Booster-Imfpung mit mRNA-Impfstoff (BioNTech oder Moderna)
  • Grundimmunisierung durch Kreuzimpfung AstraZenca und mRNA-Impfstoff -> Verwenden Sie möglichst denselben mRNA-Impfstoff wie bei der Grundimmunisierung

 

Die Auffrischimpfung ist nicht zwingend homolog vorgeschrieben. Die STIKO empfiehlt vorzugsweise einen an die Omikron-Mutation angepassten Impfstoff.

Auch Genesene, die mit einem Impfstoff von AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden, sollen für die Auffrischungsimpfung einen mRNA-Impfstoff erhalten.

Boostern mit Moderna

Beim Boostern mit dem mRNA-Impfstoff "Spikevax" von Moderna nutzen Sie nur die halbe Dosis (0,25 ml statt 0,5 ml). Ein Vial reicht damit für 20 Auffrischimpfungen oder zehn Impfungen im Rahmen der Grundimmunisierung.

Die dritte Impfung bei Patienten mit schwerer Immundefizienz (bereits nach vier Wochen) gilt weiterhin als Grundimmunisierung und soll mit der vollen Dosis (0,5 ml) erfolgen. Details dazu finden Sie in der Fachinformation von Moderna am Seitenende unter Downloads.

Wie impfe ich Patienten, die ihre erste Imfpung im Ausland z. B. mit Sputnik oder Sinovac erhalten haben?

Seit Ende März 2022 gibt es eine neue Empfehlung der STIKO. Sie betrifft nur die Impfstoffe

  • Sputnik V (Gamelaya)
  • CoronaVac (Sinovac)
  • Covilo (Sinopharm)
  • Covaxin (Bharat Biotech International Limited)

 

Personen, die 2x oder öfter mit einem dieser Impfstoffe geimpft wurden, benötigen nur einen Booster nach mindestens 3 Monaten. Für die Auffrischimpfung von Personen mit Immundefizienz soll Spikevax in einer Dosierung von 100 μg verwendet werden. Auch bei einer Infektion nach vollständiger Impfung sollten zwischen Infektion und Booster mindestens drei Monate liegen.

Personen, die nur 1x geimpft wurden, sollten eine neue Impfserie bestehend aus Erst- und Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten.

Auch bei Personen, die mit einer anderen als dieser 4 Vakzine geimpft wurden, sollte eine neue Impfserie begonnen werden. Klären Sie den Impfling unbedingt über mögliche verstärkte Impfreaktionen auf.

Wie erhalte ich das Zubehör (Nadeln, Spritzen, Kanülen etc.)?

Ab Oktober 2021 müssen Sie das Impfzubehör separat bestellen. Sie können auch größere Mengen ordern. Die Kosten dafür trägt der Bund.

Die „Übersicht Impfzubehör“ können Sie auf dieser Seite unter Downloads herunterladen.

Welche Impfabstände sind für die einzelnen Impfstoffe empfohlen?

Die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson sind nur für Personen ab 60 Jahren von der STIKO empfohlen. Die Impfung von jüngeren Personen nach spezieller Aufklärung ist aber möglich. Der Gesetzgeber übernimmt die Haftung für eventuell auftretende Impfschäden wie z. B. Hirnvenenthrombosen.

Die STIKO empfiehlt, unter 30-Jährige aussschließlich mit dem Impfstoff Comirnaty (BioNTech/Pfizer) zu impfen.

Der Totimpfstoff Novavax ist für Personen ab 18 Jahren zugelassen. Laut STIKO sollen zwei Impfstoffdosen im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit wird aufgrund fehlender Daten aktuell nicht empfohlen. Eine Impfung kann trotzdem im Einzelfall erwogen werden.

Nach aktuellen Studienergebnissen ist die Immunantwort nach heterologem Impfschema (Vaxzevria/mRNA-Impfstoff) der Immunantwort nach homologer Vaxzevria-Impfserie (2 Impfstoffdosen Vaxzevria) deutlich überlegen. Die STIKO empfielhlt seit 8.7.2021 für Personen, die Vaxzevria als 1. Impfstoffdosis erhalten haben, unabhängig vom Alter einen mRNA-Impfstoff als 2. Impfstoffdosis mit mindestens 4-wöchigem Impfabstand zur 1. Impstoffdosis.

Der Einsatz von Vaxzevria als zweimalige Impfung und der COVID-19 Vaccine Janssen ist bei < 60-Jährigen zulassungskonform und nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch die impfwillige Person unverändert möglich.

 

Von der STIKO empfohlene Impfabstände:

ImpfstoffImpfabstand
Comirnaty (BioNTech/Pfizer)3-6 Wochen
Spikevax (Moderna)4-6 Wochen
Nuvaxovid (Novavax)3 Wochen
Vaxzevria (AstraZeneca)9-12 Wochen
Heterologes Impfschema (Vaxzevria/mRNA-Impfstoff)ab 4 Wochen
Genesene6 Monate nach der Infektion;
ggfs. bereits ab 4 Wochen nach Symptomende zum Schutz vor Virusvarianten mit immune escape
Booster-Impfungab 3 Monaten möglich; Details unter Wer soll eine Auffrischungs-Impfung erhalten?

 

Sollte der empfohlene maximale Abstand zwischen der 1. und 2. Impfstoffdosis überschritten worden sein, kann die Impfserie dennoch fortgesetzt werden und muss nicht neu begonnen werden.

Wo erhalte ich Informationen zu den Impfstoffen?

Steckbriefe der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson können Sie auf dieser Seite unter Downloads herunterladen. Sie finden dort auch die Rote-Hand-Briefe des Paul-Ehrlich-Instituts zu den Vektor-Impfstoffen.

Wie lagere und handhabe ich den Impfstoff?

Die COVID-19-Impfstoffe sind unter kontinuierlicher Überwachung lichtgeschützt und ungeöffnet im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.

Der proteinbasierte Impfstoff Nuvaxovid von Novavax ist für Personen ab 18 Jahren zugelassen. Eine Mehrdosendurchstechflasche (Vial) von Nuvaxovid enthält zehn Dosen zu je 0,5 ml. Es ist keine Rekonstitution notwendig. Der Novavax-Impfstoff ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C max. 9 Monate haltbar. Ungeöffnet kann er bei Raumtemperatur bis 25° C max. 12 Stunden gelagert werden. Das geöffnete Vakzin muss innerhalb von 6 Stunden verimpft werden (Lagerung bei 2° C bis 25° C).

 

Der Impfstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer ist aufgetaut und ungeöffnet bis zu 31 Tage im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C haltbar (inklusive Zeit für Auftauen und Transport). Bei Raumtemperatur bis 30° C hält der Impfstoff zwei Stunden. Mit der Lieferung des Impfstoffs wird ein Begleitdokument ausgehändigt, auf dem der Auftauzeitpunkt und das damit zusammenhängende Ende der Haltbarkeit vermerkt ist. Der mit NaCl zu verdünnende Impfstoff ist ab der Rekonstitution bis zu sechs Stunden bei 2 bis 30° C haltbar.

Ein vorsichtiger Transport des Impfstoffs ist möglich, Erschütterungen sind aber unbedingt zu vermeiden.

 

Die Haltbarkeit der COVID-19-Vaccine AstraZeneca beträgt ungeöffnet 6 Monate im Kühlschrank bei 2 bis 8° C, geöffnet nach Entnahme der ersten Dosis aus dem Mehrdosenbehältnis nicht mehr als 48 Stunden im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C. Innerhalb dieses Zeitraums kann der Impfstoff bei bis zu 30° C für bis zu sechs Stunden gelagert und angewendet werden. Danach muss der Impfstoff verworfen werden.

 

Details zur Aufbereitung und Handhabung des jeweiligen Impfstoffes entnehmen Sie bitte den Steckbriefen, die Sie unter Downloads herunterladen können.

Änderung: Aspiration

Seit dem 15.2.2022 empfiehlt die STIKO die Aspiration vor einer COVID-19-Impfung mit mRNA-Impfstoff. So soll die Impfstoffsicherheit weiter erhöht werden. Die Impfung soll strikt intramuskulär durchgeführt werden. (Aktuelle COVID-19-Impfempfehlung unter Downloads)

Im Tiermodell sind laut STIKO nach direkter intravenöser Gabe eines mRNA-Impfstoffs Perimyokarditiden aufgetreten. Sie ließen sich sowohl klinisch als auch histopathologisch nachweisen.

Für alle anderen Impfungen (außer der COVID-19-Impfung) empfiehlt die STIKO prinzipiell keine Aspi­ra­tion bei Impfstoffgabe. Bei intramuskulärer Applikation würden so Schmerzen reduziert. Laut STIKO liegen keine Berichte vor, wo­nach Pa­tienten aufgrund einer fehlenden Aspiration verletzt worden wären.

Wie bestelle ich den Impfstoff? Wie und wann wird er geliefert?

Impfstoff bestellen Sie – wie bei anderen Schutzimpfungen auch – ausschließlich bei der Sie primär beliefernden Apotheke über das Muster 16. Geben Sie die Dosen pro Impfstoff an. Berücksichtigen Sie, dass für das Boostern mit Moderna nur die halbe Dosis zugelassen ist. Ein Vial reicht damit für 20 Auffrischimpfungen oder zehn Impfungen im Rahmen der Grundimmunisierung.

Folgende Impfstoffe stehen aktuell zur Auswahl:

  • COVID-19-Impfstoff Comirnaty Orig./BA.4-5: Höchstbestellmenge 240 Dosen je Arzt/Ärztin
  • COVID-19-Impfstoff Comirnaty Orig./BA.1: Höchstbestellmenge 240 Dosen je Arzt/Ärztin
  • COVID-19-Impfstoff Comirnaty: Höchstbestellmenge 240 Dosen je Arzt/Ärztin
  • COVID-19-Impfstoff Comirnaty für 5- bis 11-Jährige: keine Höchstbestellmenge
  • COVID-19-Impfstoff Comirnaty für Kinder im Alter von 6 Monaten bis 4 Jahren: Höchstbestellmenge 240 Dosen je Arzt/Ärztin
  • COVID-19-Impfstoff Spikevax Orig./BA.4-5: keine Höchstbestellmenge   
  • COVID-19-Impfstoff Spikevax Orig./BA.1: keine Höchstbestellmenge
  • COVID-19-Impfstoff Spikevax: keine Höchstbestellmenge
  • COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid: keine Höchstbestellmenge
  • COVID-19-Impfstoff Janssen: keine Höchstbestellmenge
  • COVID-19-Impfstoff Valneva: keine Höchstbestellmenge

Angabe auf dem Rezept: Wenn Sie Impfstoff für Auffrischimpfungen bestellen, schreiben Sie auf das Rezept zum Beispiel: „60 Dosen Comirnaty Orig./BA.4-5 plus Impfzubehör“.

Die Impfstoffe werden ausschließlich durch den Bund bereitgestellt. Dieser übernimmt auch die Verteilung der Impfstoffe, d.h. er legt fest, wie viele Dosen an die Arztpraxen, an die Impfzentren, an die Betriebsärzte, an die Apotheken und an andere Impfstellen gehen. Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass Arztpraxen nur die Menge an Impfstoff bestellen sollen, die sie in der jeweils nächsten Woche auch verimpfen können.

Das jeweilige Impfzubehör (Spritzen, Kanülen, ggf. NaCl-Lösung) müssen Sie separat bestellen.

Weitere Informationen zum Bestell- und Lieferprozess finden Sie im Dokument „Bestellung und Vorbereitung“, das Sie im Bereich Downloads herunterladen können.

Kann ich Impfstoff zurückgeben oder an andere Praxen weiterreichen bevor er abläuft?

Ja, niedergelassene Ärzte dürfen Restbestände an nicht verbrauchten Impfstoffdosen an nahe gelegene Abnehmer weitergeben:

  • Arztpraxen
  • Betriebsärzte und betriebsärztliche Dienste
  • Impfzentren und angegliederte mobile Impfteams

Sie müssen dabei sicherstellen, dass die Impfstoffe zulassungskonform gelagert und transportiert werden. Details zur Lagerung der Impfstoffe finden Sie in den Fachinformationen unter Downloads.

Aufklärung

Wie soll ich Patienten zur Corona-Impfung aufklären?

Sie sind verpflichtet, die zu impfende Person oder den Sorgeberechtigten über die Vorteile und Risiken vorab zu informieren. Bei der COVID-19-Schutzimpfung ist das nicht anders als bei anderen Schutzimpfungen. Besondere Maßnahmen sind nicht erforderlich.

Bei der Booster-Impfung reicht eine mündliche Aufklärung, vor allem wenn Sie bei dem Patient auch die ersten beiden Impfungen durchgeführt haben. Wichtig ist jedoch ein kurzer Vermerk in der Patientenakte. Eine Anamnese ist immer nötig - auch vor der Booster-Impfung.

 

Für die schriftliche Aufklärung für Erst- und Zweitimpfung halten Sie sich an dieses Vorgehen:
 
1. Aufklärungsmerkblatt aushändigen

Die Aufklärung über die Corona-Schutzimpfung erfolgt vor der ersten Impfung. Nutzen Sie die bundesweit einheitlichen Aufklärungsmerkblätter des RKI in mehreren Sprachen.

Für die Aufklärung von Patienten mit nicht-deutscher Muttersprache können Sie die Rescue-Impf-App nutzen. Sie ermöglicht eine rechtssichere Aufklärung und Anamneseerhebung in 35 Sprachen einschließlich Gebärdensprache. (Zur App für Google und Apple).

 

2. Aufklärungsgespräch anbieten

Ein Aufklärungsgespräch ist nicht zwingend erforderlich, aber anzubieten.

 

3. Impffähigkeit feststellen

Eine Anamnese ist nur dann erforderlich, wenn Sie die Person nicht kennen, weil sie zum ersten Mal Ihre Praxis aufsucht. Hierfür können Sie den Anamnesebogen des RKI nutzen.

Bei bekannten Patienten muss die Impffähigkeit zumindest im Hinblick auf akute Infektionen etc. geprüft werden.

 

4. Einwilligung einholen

Dokumentieren Sie in der Patientenakte, dass Sie die zu impfende Person aufgeklärt haben und die Person eingewilligt hat. Eine schriftliche Einwilligung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber sinnvoll. Sie können dazu das Aufklärungsmerkblatt des RKI für eine Einwilligungserklärung verwenden. Auch eine formlose Einwilligungserklärung ist möglich.

Welche schweren Nebenwirkungen der Impfung sind bekannt?

Bei den Vektor-Impfstoffen Vaxzevria und COVID-19-Impfstoff Janssen sind u. a. ein Thrombosen-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) sehr selten als schwerwiegende Nebenwirkung bekannt. Die meisten bisher berichteten TTS-Fälle traten innerhalb von drei Wochen nach Impfung auf. Bislang konnten keine spezifischen Risikofaktoren für die Entstehung von TTS identifiziert werden. TTS ist eine schwerwiegende Nebenwirkung, die in einigen Fällen tödlich verlief. Daher ist die frühzeitige Diagnose und Behandlung wichtig.

Sehr selten wurden Fälle einer Myokarditis und Perikarditis nach Impfung mit Comirnaty und Spikevax beobachtet. Betroffen sind vor allem junge Männer nach Gabe der zweiten Dosis, typischerweise innerhalb von 14 Tagen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA ist (Stand 7.6.2022) besorgt wegen des möglichen Risikos einer Myokarditis bei Novavax, das höher sein könnte als bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna.

Es sind mehr Fälle eines Guillain-Barré-Syndroms (GBS) nach Vaxzevria in Deutschland gemeldet worden, als aufgrund der Anzahl geimpfter Personen zufällig erwartet würde.

Anaphylaktische Reaktionen wurden sehr selten nach Impfung sowohl mit den mRNA- als auch mit den Vektorimpfstoffen berichtet.

Nähere Informationen und weitere beobachtete Nebenwirkungen finden Sie laufend aktualisiert beim Paul-Ehrlich-Institut. Lesen Sie auch weiter unter Wie melde ich Nebenwirkungen bzw. Impfschäden?

Kann ich Kinder und Jugendliche impfen?

Die STIKO empfiehlt eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff für

  • alle Kinder und Jugendlichen ab dem Alter von 5 Jahren
  • Kinder zwischen 6 Monaten und 4 Jahren mit Vorerkrankungen (darunter fallen auch Frühgeburten)

vorzugsweise mit einem an die Omikron-Variante angepassten bivalenten mRNA-Impfstoff. Gesunde Kinder bis 11 Jahre sollen laut Empfehlung vorerst aber nur eine Impfdosis erhalten.

Minderjährige können nur dann selbst in die Impfung einwilligen, wenn sie nach ihrer "geistigen und sittlichen Reife die Bedeutung und Tragweite des Eingriffs und seiner Gestattung" ermessen können (BGH, Urteil vom 5.12.1958; Az.: VI ZR 266/57). Andernfalls müssen Sie die Einwilligung eines hierzu Berechtige“ einholen – im Regelfall der gemeinsam sorgeberechtigten Eltern. Diese müssen Sie aufklären, während Sie den Minderjährigen nur die wesentlichen Umstände entsprechend ihres Entwicklungsstandes erläutern müssen.

Sind die Sorgeberechtigten sich uneinig, können Sie sich an jenes Elternteil halten, das den STIKO-Empfehlungen folgt, sofern keine besonderen Impfrisiken bestehen. So hat der BGH in Bezug auf Standard-Schutzimpfungen geurteilt (Beschluss vom 3.5.2017, Az.: XII ZB 157/16).

Wie kann nach einer COVID-19-Infektion geimpft werden?

6 Monate nach Genesung bzw. Diagnosestellung sollte eine COVID-19-Impfung durchgeführt werden. Die Gabe einer Impfstoffdosis ist jedoch bereits ab 4 Wochen nach der Labordiagnose bzw. dem Ende der COVID-19-Symptome möglich. Als Nachweis gilt der direkte Erregernachweis mittels PCR. Auch wenn mehr als 6 Monate seit der Diagnosestellung vergangen sind, reicht eine Impfstoffdosis zur vollständigen Grundimmunisierung aus.

Bei einer anamnestisch angegebenen Infektion mit typischen Symptomen und unsicherem Antikörper-Nachweis können Sie die vollständige Impfung mit zwei Dosen im zugelassenen Abstand durchführen.

Es besteht keine Notwendigkeit, vor Verabreichung einer COVID-19-Impfung das Vorliegen einer akuten asymptomatischen oder (unerkannt) durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion labordiagnostisch auszuschließen. Bei Personen mit durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion kann es nach Impfung zu vorübergehenden verstärkten systemischen Reaktionen kommen. Nach den bisher vorliegenden Daten gibt es aber keinen Hinweis darauf, dass die Impfung in diesen Fällen eine relevante Gefährdung darstellt.

Dürfen Schwangere und Stillende geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt die COVID-19-Impfung für Schwangere ab dem zweiten Trimenon der Schwangerschaft. Auch Stillende dürfen geimpft werden. Anfangs wurde die Impfung nur Schwangeren mit besonderem Risiko empfohlen.

Welche Kontraindikationen gibt es?

Die vollständige Übersicht der Kontrainditkationen entnehmen Sie bitte der Fachinformation, die Sie am Seitenende als PDF herunterladen können.

Immunsupprimierte und Patienten mit onkologischen Erkrankungen können geimpft werden. Eine laufende medikamentöse Therapie bei Tumorerkrankung, entzündlich rheumatischer oder immunologischer Erkrankung stellt keine Kontraindikation für eine Impfung dar.

Impflinge mit nachgewiesener PCR-positiver Corona-Infektion sollten ca. 6 Monate nach Infektionsdiagnose geimpft werden. Sie erhalten nur eine einzige Impfdosis.

Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) besteht in der EU nach derzeitigem Kenntnisstand keine Kontraindikation bei der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen und der Astrazeneca-Vakzine für Allergiker oder Menschen mit Anaphylaxien in der Vorgeschichte.

Absolut kontraindiziert ist eine Impfung bei:

  • bekannter Allergie auf Inhaltsstoffe der COVID-19-Impfstoffe (z.B. Polyethylenglykol, Makrogol, Polysorbat etc.)
  • einer allergischen Reaktion auf die erste Dosis

Daher sollte stets – auch vor der zweiten Dosis – eine ausführliche Anamnese erhoben werden.

Welche Vorsichtsmaßnahmen muss ich bei Antikoagulation treffen?

  • 23G bis 25G-Kanüle benutzen
  • mindestens 2 Minuten drücken
  • 30 Minuten überwachen

Wo injiziere ich, wenn eine Injektion in den m. deltoideus nicht möglich ist?

Injizieren Sie in den m. vastus lateralis.

Dokumentation und Abrechnung

Wie stelle ich das Impfzertifikat aus?

Das Impfzertifikat können Sie direkt aus Ihrem PVS erstellen. Sie können aber auch die Web-Anwendung des RKI nutzen. Eine Anleitung finden Sie am Seitenende unter Downloads.

Voraussetzung für das Ausstellen eines Genesenenzertifikats ist ein positives PCR-Test-Ergebnis, das mindestens 28 Tage und maximal drei Monate alt ist.

Hier finden Sie Details zur Abrechnung und Vergütung des Impfzertifikats

Wie wird die Impfung abgerechnet und vergütet?

Sie erhalten pro

  • Impfung (auch Booster): 28 Euro
  • Zuschlag: Impfung an Wochenenden, gesetzlichen Feiertagen sowie am 24. und 31.12.: 8 Euro + Impfung
  • Ausschließliche Impfberatung: 10 Euro
  • Hausbesuch: 35 Euro + Impfung
  • Mitbesuch: 15 Euro + Impfung
  • Priorisierungszeugnis: 5 Euro + 90 Cent Porto
  • Impfzertifikat / Genesenenzertifikat: 2 Euro (via PVS) bzw. 6 Euro (via Webanwendung des RKI bzw. Impfung in fremder Praxis)
  • Nachtragung einer COVID-19-Schutzimpfung in den Impfausweis für Personen, die nicht in der eigenen Praxis geimpft wurden: 2 Euro

 

Pro Impfstoff gibt es eine Pseudoziffer:

  • 88331 für BioNTech/Pfizer – Vakzin der 1. Generation gegen Wildtyp
  • 88332 für Moderna – Vakzin der 1. Generation gegen Wildtyp
  • 88333 für AstraZeneca
  • 88334 für Johnson & Johnson
  • 88335 für Novavax
  • 88336 für Valneva
  • 88337 für BioNTech/Pfizer – Vakzine der 2. Generation gegen BA.4 und BA.5 oder gegen BA.1
  • 88338 für Moderna – Vakzin der 2. Generation gegen BA.4 und BA.5 oder gegen BA.1

Diese Pseudoziffern werden jeweils um Buchstaben (Suffixe) für die Impfindikation ergänzt, wobei der erste Buchstabe für die Erst-Impfung, der zweite Buchstabe für die Zweit-Impfung und der dritte Buchstabe für die Booster-Impfung steht:

  • A/B/R = Indikation „Allgemein“
  • V/W/X = Indikation „Beruf“
  • G/H/K = Indikation „Pflegeheimbewohner/in“
     

Die Impfung wird mit ICD-10-Code U11.9 kodiert. Auch Nicht-GKV Versicherte werden über die KV abgerechnet.

Eine grafische Übersicht der Pseudoziffern und Vergütung können Sie im Bereich Downloads herunterladen.

Wie wird das Impfzertifikat abgerechnet und vergütet?

Die Vergütung für das Impfzertifikat / Genesenenzertifikat richtet sich danach, wie es erstellt wurde:

  • 2 Euro via PVS
  • 6 Euro via Webanwendung des RKI
  • 18 Euro wenn die Impfung in einer fremden Praxis vorgenommen wurde

 

Zur Abrechnung gibt es diese Pseudoziffern:

  • 88370 Ausstellung eines COVID-19-Genesenenzertifikats
  • 88371 Ausstellung eines COVID-19-Genesenenzertifikats – automatisiert mit Hilfe des PVS-Systems

 

Wenn Sie nur das Impfzertifikat ausstellen ohne eine Impfung abzurechnen, können Sie (falls nötig) diesen ICD-10-GM-Code verwenden:

  • Z02 Untersuchung und Konsultation aus administrativen Gründen

Wie muss ich Impfungen dokumentieren?

Schritt 1: Täglich über das ImpfDoku-Portal

Geben Sie die Gesamtzahl der täglichen Impfungen nach der Stellung der Impfung in der jeweiligen Impfserie an (z. B. Booster für Patienten A und B als 3. Impfung und für Patient C als 5. Impfung). Dabei spielt es keine Rolle, mit welchem Impfstoff oder welchen Impfstoffen die Person zuvor geimpft wurde oder ob die Person schon einmal infiziert war.

Impfungen mit Impfstoffen, die an die Omikronvarianten angepasst sind, werden separat erfasst. Dazu gibt es im ImpfDoku-Portal eigene Eingabefelder.

 

Schritt 2: Quartalsweise Dokumentation über die Abrechnung

Melden Sie quartalsweise die

  • Impfindikation über die Pseudoziffern
  • Chargennummer (KVDT-​Feld 5010-​Chargennummer)
  • Bei Auffrischimpfungen zusätzlich: Stellung der Impfung in der jeweiligen Impfserie

Die Meldung an das Robert Koch-Institut (RKI) übernehmen die KVen.

Anleitung zum Impf-DokuPortal


Dokumentation im Impfausweis und Impfzertifikat

Die Impfung wird wie gehabt im Impfausweis dokumentiert. Personen ohne Impfausweis können eine Ersatzbescheinigung zur COVID-19-Schutzimpfung erhalten. Das Impfzertifikat für den europäischen Impfausweis können Sie aus Ihrem PVS erzeugen.

Wie können Privatärzte an der Impfkampagne teilnehmen?

So gehen Sie vor, wenn Sie als Privatarzt impfen möchten:

  1. Formular der jeweiligen Landesärztekammer zur Authentifizierung als niedergelassen tätiger Privatarzt anfordern, ausfüllen und bestätigen lassen
  2. mit bestätigtem Formular, Arztausweis & Personalausweis im PVS-Impfportal registrieren
  3. in Apotheken Impfstoff ordern
  4. erfolgte Impfungen tagesaktuell im PVS-Impfportal erfassen
  5. monatlich oder quartalsweise über KV abrechnen (direkt oder z.B. über die PVS)

Ausführliche Informationen dazu finden Sie im Dokument "Privatarztpraxen - Infos zum Impfstart" am Seitenende in den Downloads.

Wie rechne ich die COVID-Impfung bei Privatpatienten ab?

Über die KV und dieselben Ziffern wie bei GKV-Patienten.

Wie melde ich Nebenwirkungen bzw. Impfschäden?

Impfenebenwirkungen sind immer meldepflichtig. Nebenwirkungen bzw. Verdachtsfälle melden Sie an das Paul-Ehrlich-Institut sowie an Ihr örtliches Gesundheitsamt. Kodieren Sie U12.9 für unerwünschte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung.

Apps zur Meldung von Nebenwirkungen haben das Paul-Ehrlich-Institut und das Deutsche Institut für Fachärztliche Versorgungsforschung entwickelt.

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