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Das Ende der ambulanten Fachärzte?

Saarbrücken, 05. Februar 2008 - Ein Gesetzeszusatz entwickelt sich zum Kriegsschauplatz. Der § 116b im Sozialgesetzbuch V regelt die Öffnung von Krankenhäusern für ambulante Versorgung. Bei zahlreichen Klinikmanagern ist seitdem Goldgräberstimmung ausgebrochen. Sie wittern Einkünfte, die die maroden Klinikfinanzen aufbessern sollen. Krankenhäuser versuchen seitdem, im Bereich der ambulanten Versorgung zu wildern. Allein im Saarland wurden bislang über 70 Anträge zu § 116b von Krankenhäusern gestellt.

Bleibt der niedergelassene Facharzt auf der Strecke? (© photophonie - Fotolia.com)

Im Gegenzug hierzu schlagen Kassenärztliche Vereinigungen andernorts zurück, indem äußerst restriktiv mit Ermächtigungen für Krankenhäuser umgegangen wird oder Ermächtigungen nicht mehr erteilt bzw. nicht verlängert werden. Auf der Strecke bleiben voraussichtlich der niedergelassene Facharzt und eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen ambulant und stationär tätigen Ärzten.

Die Intentionen sind ja verständlich: Krankenhäuser befinden sich unter massivem Kostendruck durch Tarifsteigerungen einerseits und unter Sparzwang andererseits. Die Folge: sie suchen neue Ertragsfelder. Was liegt da näher, als alle Möglichkeiten zu nutzen, in den ambulanten Sektor einzugreifen. Was aber die Krankenhäuser mit dem 2007 neu geschaffenen § 116b vorhaben, geht oftmals am Bedarf einer patientenorientierten Versorgung vorbei. Häufig ist es reine Abschöpfung von Finanzmitteln, worauf immer wieder vom Verband der niedergelassenen Ärzte, dem NAV-Virchow-Bund, aber auch seitens des Facharztforums hingewiesen wird.

Der NAV-Virchow-Bund schlägt einen „innerärztlichen Pakt“ zwischen ambulant und stationär tätigen Ärzten vor. Ärzte müssen die Behandlungspfade bestimmen und nicht ausschließlich betriebswirtschaftlich denkende Klinik-Manager. Durch diesen innerärztlichen Schulterschluss können zudem Behandlungswege ärztlich definiert und damit neue ökonomisch verursachte Brüche im Versorgungsgeschehen vermieden werden.

Es besteht die Gefahr, dass die Balance zwischen flächendeckender fachärztlicher Versorgung mit direktem Zugang für die Patienten und einer hoch spezialisierten, technisch aufwändigen Komplexbehandlung durch Krankenhäuser aus den Fugen gerät, dies mit weitreichenden Folgen: mit den niedergelassenen Fachärzten verschwinden voll weitergebildete Fachmediziner mit in der Regel langjähriger Berufserfahrung, stattdessen findet die Facharztversorgung zentral am Krankenhaus in der Regel durch wechselnde Assistenzärzte in Weiterbildung statt.

Selbst Krankenkassen schaudern vor dem Szenario, bekommen sie doch heute schon die Kostenentwicklung im Klinikbereich nicht in den Griff, und steuern stattdessen durch die Verlagerung in das ambulante Versorgungsgeschehen dagegen. Durch eine fortschreitende Öffnung der Krankenhäuser könnte sich die Kostenschraube weiter nach oben drehen und die günstige ambulante Facharztversorgung wegfallen.

Immer noch ist der Krankenhaussektor einer der größten Kostenblöcke im Gesundheitswesen. Von den jährlichen Steigerungsraten der Klinikerlöse können niedergelassene Ärzte nur träumen.

In der Umsetzung des § 116b sind die jeweiligen Landesregierungen entscheidend. Je nach politischer Ausrichtung wird die Öffnung der Krankenhäuser eher exzessiv oder eher restriktiv umgesetzt.

Der NAV-Virchow-Bund plädiert stattdessen dafür, die ambulante Öffnung der Krankenhäuser verstärkt im Rahmen der integrierten Versorgung zu regeln.

Dr. med. Nikolaus Rauber
Vorsitzender des Landesverbandes des
NAV-Virchow-Bund im Saarland
Rheinstr. 35
66113 Saarbrücken

Der Virchowbund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

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Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands
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