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Neue NAV-Landesvorsitzende von Schütz: „Ich fühle mich als Ärztin zunehmend fremdbestimmt“

Grimmen, 14. Oktober 2014 - Lange Zeit war der NAV-Virchow-Bund in Mecklenburg-Vorpommern nicht aktiv. Das soll sich nun ändern: Seit Anfang September hat er wieder einen Vorstand. Dessen Vorsitzende Angelika von Schütz will sich vor allem dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte in der Region zu verbessern. Das erzählt die Ärztin, die auch Chefin des Landesverbandes der HNO-Ärzte ist, im Gespräch mit dem änd. Außerdem verrät sie, was sie vom Entwurf zum Versorgungsstärkungsgesetz hält – nämlich nicht viel.

Landesgruppen-Chefin Angelika von Schütz: "Die Politik weiß nicht, wie es in der Realität aussieht." (© privat)

Frau von Schütz, der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des NAV-Virchow-Bundes hat lange Zeit geruht, mit ihrer Wahl zur Vorsitzenden und mit der Wahl der anderen Vorstandsmitglieder ist er nun wieder zu neuem Leben erwacht. Welche Motivation stand hinter dieser Wiederbelebung?

In der Tat war der Vorstand einige Jahre lang inaktiv. Aus verschiedenen Gründen hatte er damals seine Arbeit eingestellt. Das Desinteresse und die Mutlosigkeit bei den Ärzten hier waren einfach zu groß, viele dachten, es tut sich ja doch nichts, also wollte sich auch niemand engagieren. Wir dachten aber, dass die Zeit reif war, mit einem arzt- und fachgruppenübergreifenden Verband in Mecklenburg-Vorpommern einen Neuanfang zu starten. Wenn die niedergelassenen Ärzte geschlossen auftreten, können sie mehr erreichen.

Eines Ihrer Hauptziele ist, so haben Sie es zumindest kurz nach Ihrer Wahl angekündigt, zu erreichen, dass sich wieder mehr Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern niederlassen. Was muss geschehen?

Auf jeden Fall müssen sich die Rahmenbedingungen ändern. Das hört sich zwar immer nach einer Floskel an, aber es ist einfach dringend notwendig. Leider ist die Politik oft der Meinung, dass man nur finanzielle Anreize schaffen muss, und schon lassen sich die jungen Kollegen auf dem Land nieder. Doch mit Geld allein ist es nicht getan. Viele Dinge gilt es zu berücksichtigen. Neben der Schaffung einer guten Infrastruktur und attraktiver Lebensbedingungen in den ländlichen Regionen ist ein ganz wesentlicher Punkt die Abschaffung von Regressen und bürokratischen Zwängen. Ich weiß von jungen Kollegen, die in Kliniken arbeiten und aus Angst vor dem Regressrisiko oder zu viel Bürokratie den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen. Diese Angst muss man ihnen nehmen. Und da ist die Politik gefragt.

Vergangene Woche ist ein erster Entwurf des neuen Versorgungsstärkungsgesetzes aufgetaucht. Als eine Maßnahme zur Sicherstellung der Versorgung steht da zum Beispiel drin, künftig arztgruppengleiche Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zuzulassen. Was halten Sie davon, wäre das für Ihr Bundesland eine sinnvolle Maßnahme?

Wenn man genug Ärzte hätte, wäre das sicher eine Möglichkeit. Aber daran scheitert es auch schon in Mecklenburg-Vorpommern. Arztgruppengleiche MVZs bergen meiner Meinung nach in einem Flächenland die Gefahr, dass diese dann in den großen Städten aufgebaut und die Wege der Patienten somit länger werden. Gleichzeitig werden auf dem Land die Facharztpraxen aussterben. Wenn sich fünf Kollegen einer Fachgruppe zusammentun, dann ist das sicher wirtschaftlich nachvollziehbar. Aber für Patienten ist das keine gute Entscheidung. Man muss zwar akzeptieren, dass das Modell der Zukunft langfristig gesehen sicher nicht die Einzelpraxis ist, aber in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern hat die Einzelpraxis auch immer noch eine Berechtigung.

Heftig umstritten ist auch die Wartezeitenregulierung bei Facharztterminen und damit einhergehend die Einrichtung sogenannter Terminservicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Was sagen Sie zu diesem Vorhaben?

Die Politik weiß nicht, wie es in der Realität aussieht. Es gibt bestimmt Fachgruppen, bei denen bestehen für Routine-Untersuchungen lange Wartezeiten. Mir sind aber aus der gesamten Zeit meiner mehr als 20-jährigen Niederlassung keine Fälle bekannt, in denen Patienten mit Akuterkrankungen monatelang auf einen Termin warten mussten. Die Politik macht hier etwas zum Problem, das aus meiner Sicht gar kein Problem ist. Und ich weiß auch nicht, wie die Wartezeitenregulierung umgesetzt werden soll. Mich ärgert an dieser Sache auch, dass die KVen zwangsweise die Terminservicestellen einrichten sollen. Man darf aber nicht vergessen, dass die KVen von den Beiträgen der niedergelassenen Ärzte bezahlt werden, und zwar jeder einzelne Mitarbeiter dort. Das heißt, letztlich müssen die Ärzte durch die Umlage wieder für die Servicestellen aufkommen. Außerdem sind noch so viele Fragen bezüglich der Umsetzung offen. Die Wartezeiten-Regulierung ist meiner Ansicht nach ein Politikum, dass man jetzt irgendwie durchboxen will, um Stärke zu beweisen.

Für viel Diskussionsbedarf bei den Niedergelassenen sorgen auch die Vorgaben, die der Gesetzentwurf zur Strukturierung der KBV-Vertreterversammlung (KBV-VV) enthält, Stichwort Segmentierung der KBV. Der Bundesvorsitzende Ihres Verbandes, Dr. Dirk Heinrich, kommentierte den Entwurf mit der Umschreibung „Abrissbirne der ärztlichen Freiberuflichkeit“. Denken Sie auch, dass der Staat da zu sehr in die Belange der Selbstverwaltung eingreift?

Das ist auf jeden Fall so. Ich fühle mich als Ärztin zunehmend fremdbestimmt.Es gibt aus meiner Sicht keinen anderen Beruf in diesem Land, bei dem die Politik so viel mitbestimmen will, und zwar über die Köpfe der Ärzte hinweg. Was die Politik der KBV-VV und auch den VVen der einzelnen KVen aufdrücken will, ist insofern nicht zielführend, als es einen Keil zwischen die Ärzte treibt. Und schon wird es wieder problematischer, eine gemeinsame Verhandlungsbasis für viele Dinge zu finden. Überhaupt nicht nachvollziehbar ist im Übrigen auch, dass die Psychotherapeuten aus der ganzen Diskussion komplett ausgeklammert werden. Welcher Gruppe werden sie zugeordnet? Den Fachärzten? Außerdem kann man den hausärztlichen und den fachärztlichen Bereich gar nicht so streng voneinander trennen, denn es gibt viele Fachärzte, die auch hausärztliche Leistungen durchführen und umgekehrt.

Kritisch finde ich auch, dass die Politik der KBV und den KVen vorschreibt, sie sollten künftig einen beratenden Ausschuss für angestellte Ärzte einrichten. Was soll das?

Kann es nicht auch sinnvoll sein, einen solchen Ausschuss zu bilden, da es immer mehr angestellte Ärzte gibt?

Nein, ich halte nichts davon, das System immer weiter aufzubauschen. Angestellte Ärzte sind ja auch einer bestimmten Fachrichtung zuzuordnen.

Sie sind auch Mitglied der VV der KVMV. Was halten Sie als solches denn von den Vorstößen von KVMV-Vize Dr. Dieter Kreye zum Thema KBV-Segmentierung? Es ist ja kein Geheimnis, dass er vehement fordert, dass die Interessen der Hausärzte in der KBV-VV mehr Gewicht bekommen sollten. 

Das ist in der Tat ein viel diskutiertes Thema in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Vorstöße bekommen von den Facharztverbänden in Mecklenburg-Vorpommern Gegenwind. In Mecklenburg-Vorpommern war es eigentlich nie so, dass die Hausärzte hinten angestellt waren. Hier war es eher so, dass die hausärztlichen Kollegen Mehrheiten hatten und über viele Jahre fachärztliche Interessen bestimmt haben. Von daher ist es für uns als Facharztvertreter in Mecklenburg-Vorpommern noch viel weniger nachzuvollziehen, wenn einige hausärztliche Vertreter es jetzt so darstellen, als würden die Hausärzte unterdrückt. Was man auch bedenken muss: Herr Kreye ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender der KVMV, sondern auch Vorsitzender des Hausärzteverbandes hier, was sicherlich auch keine ganz glückliche Konstellation ist. Die Interessenlage ist insofern klar.

Die Ärzteschaft tut sich selbst nicht gut damit, wenn sie ständig diesen Konflikt Hausärzte gegen Fachärzte schürt. Das ist auch ein Grund dafür, warum die Politik nun meint, sich einmischen zu müssen. Sie denkt, die ärztliche Selbstverwaltung bekommt das selbst nicht hin.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mit freundlicher Genehmigung von facharzt.de.

Der Virchowbund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

Virchowbund
Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands
Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern
Landesvorsitzende: Dipl.-Med. Angelika von Schütz
Carl-von-Ossietzky-Str. 1a
18507 Grimmen
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