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Aktuelles

NEUJAHRS-BOTSCHAFT DES BUNDESVORSITZENDEN

05. Januar 2006 - In seiner Neujahrsbotschaft ruft der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Maximilian Zollner, die Ärzteschaft auf, mit kreativem und kronstruktivem Protest gegen die katastrophalen Arbeitsbedingungen niedergelassener Ärzte zu demonstrieren. Den Wortlaut des Briefes:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein glückliches und gesundes neues Jahr!

In den vor uns liegenden Wochen – da muss man kein Prophet sein – wird es weitreichende Weichenstellungen für uns Ärzte geben. Es stehen Entscheidungen an, die nachhaltige Auswirkungen haben werden.

Die nun in Berlin regierende Große Koalition hat sich die Herkulesaufgabe einer Finanzreform des Gesundheitswesens gestellt. Bis zur Mitte dieses Jahres wollen sich die Koalitionäre über eine Gesundheitsreform einigen, die die Finanzkrise in der gesetzlichen Krankenversicherung auf Dauer lösen soll.

Inzwischen ist erkannt, dass die vorliegenden Probleme von der Einnahmenseite verursacht werden. Allein im letzten Jahr gingen in Deutschland 121.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren.

Die Mär von der Kostenexplosion im Gesundheitswesen ist widerlegt, da sich die Ausgaben im Gesundheitswesen im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt auch im letzten Jahr nicht von den Ausgaben der Vorjahre unterscheiden.

Doch die Lösungen, die die Politik auf den Tisch legt, verheißen nichts Gutes. So sollen mit der Einführung einer Malus-Regelung zum April erneut die Ärzte für ihr Verordnungsverhalten bestraft werden. In den Schubladen liegt ein weiteres Vorschaltgesetz, das die Vergütung für die Behandlung der 4,8 Millionen beihilfeberechtigten Beamten und Pensionären drastisch reduzieren soll. Und uns allen hallt noch die durch Ulla Schmidt angestoßene Diskussion in den Ohren um die Angleichung der ärztlichen Vergütung in gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Das alles sind für uns Ärzte wahrlich keine rosigen Aussichten.

Betrachtet man nun, wie schnell und geräuschlos sich die Großkoalitionäre über das Arzneimittelgesetz einig waren, steigen bei mir persönlich die Befürchtungen ganz erheblich, dass der Druck zur Einigung noch so manche böse Überraschung birgt.

Dabei steht die ambulante Versorgung heute schon an einem Scheideweg.

Die chronische Unterfinanzierung und Budgetierung stranguliert die Arztpraxen. Zunehmende Insolvenzen sind Indizien für die sich rapide verschlechternde Situation des Wirtschaftszweiges „ärztliche Praxis“, die immerhin in Deutschland rund 653.000 Menschen – zumeist Frauen – Lohn und Brot bietet.

Ein weiteres Indiz ist die sich im Stillen vollziehende Abwanderung, die mittlerweile auch den Bereich der niedergelassenen Ärzte erfasst hat. Waren es vormals vorwiegend Klinikärzte, die ihr Heil und bessere Arbeitsbedingungen im Ausland suchten, hören wir vermehrt von niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die samt ihrer Familien Deutschland den Rücken kehren und vorwiegend nach England und Skandinavien auswandern.

Diese Entwicklungen, aber auch das vielerorts stille Sterben von Praxen quer durch Deutschland, zeigen überdeutlich, dass wir im Eiltempo auf einen Ärztemangel und damit auf einen Versorgungsnotstand zusteuern.

In den vernünftigen Kreisen der Politik ist das teilweise schon angekommen. Aber es palavern immer noch viel zu viele Politiker und Experten von Einsparpotentialen, die im System schlummern und die es nur durch einen viel beschworenen Wettbewerb zu heben gilt.

Diesen gesundheitspolitischen Traumtänzern wollen wir eindringlich deutlich machen, dass wir niedergelassenen Ärzte am Ende unserer Möglichkeiten und auch am Ende unserer Geduld angekommen sind. Deshalb hat der NAV-Virchow-Bund noch im vergangenen Jahr die Spitzen der freien ärztlichen Verbände zu einem Krisentreffen in Berlin versammelt. Deshalb riefen der NAV-Virchow-Bund und viele andere Verbände zu einem „Tag der Ärzte“ auf und deshalb treffen sich Tausende am 18. Januar in Berlin. Deshalb protestieren bundesweit dezentral und flächendeckend Ärzte weiter für bessere Arbeitsbedingungen.

Gemeinsam sind wir stark. Nie war es wichtiger, die Stimme zu erheben, um fachübergreifend für die Interessen der niedergelassenen Ärzte zu kämpfen. Damit viele Stimmen einen eindrucksvollen Chor ergeben, ist es aber notwendig, sich zusammenzuschließen. So erleben die freien Verbände dieser Tage eine nie geahnte Renaissance. Deshalb lade ich Sie ein: Werden Sie gerade in diesen Zeiten Teil eines starken Verbandes, werden Sie Mitglied im NAV-Virchow-Bund!

Es muss Schluss sein mit den katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Arztpraxen. Die kontinuierliche Abwertung der ärztlichen Arbeit muss ein Ende haben. Weg mit der Budgetierung und damit Rationierung auf dem Rücken unserer Patienten. Wir niedergelassenen Ärzte stehen für eine qualitativ hochwertige Medizin. Und dafür haben wir ein Recht auf angemessene Vergütung. Wir wollen heilen und nicht den Mangel verwalten.

Deshalb müssen wir unseren Patienten sagen, wohin unser Gesundheitswesen steuert. Der Patient ist nach wie vor unser bester Verbündeter und steht an unserer Seite, wenn wir eines immer beachten: Den Patienten muss man respektieren, man soll ihn informieren aber darf ihn keinesfalls instrumentalisieren.

Doch der bisherige Protest kann nur der Anfang sein. Wir müssen uns an den Leipziger Montagsdemonstrationen ein Vorbild nehmen. Wir müssen immer wieder auf die Straße gehen und immer mehr Menschen dazu bewegen, mit uns zu marschieren.

Dazu wünsche ich uns den nötigen Nachdruck und Kontinuität.

Lassen Sie uns kreativ und konstruktiv sein. Dann schaffen wir das.

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

Ihr Dr. med. Maximilian Zollner
Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes
Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands

Der Virchowbund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

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