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Frau Doktor, ich komme wegen meiner ePA

Foto: Pixabay

Die elektronische Patientenakte (ePA) droht für Ärzte zur Mehrbelastung ohne Mehrwert zu werden. Werden Praxen bald zu Patientendaten-Servicestellen?

Ab 2021 hat jeder Patient Anspruch auf eine ePA. Ob die Patienten die ePA auch nutzen, bleibt ihre freie Entscheidung. Krankenkassen sind aber verpflichtet, sie anzubieten, und Ärzte, sie zu befüllen. So steht es zumindest im aktuellen Entwurf für ein Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG).

Seit Jahren haben Praxisärzte mit immer höher werdenden Bürokratiebergen zu tun – das zeigt u. a. der zweijährlich erscheinende Ärztemonitor. Kommt die ePA-Beihilfenpflicht wie geplant, bedeutet das noch mehr Arbeit für die ohnehin überlasteten Praxen.

Denn Patienten werden gerade in der Anfangszeit der ePA Unterstützung brauchen, um sich zurechtzufinden und die Zugriffsrechte auf die Dokumente in der ePA zu steuern. Kaum vorstellbar, dass diese Beratungsarbeit auch noch von MFA und Ärzten geleistet werden soll. Zumal die Funktionsweise der ePA sich je nach Kasse, mobilem Endgerät und Betriebssystem unterscheiden würde.

„Das ist ganz klar Aufgabe der Kassen und sollte so im PSDG auch dringend festgeschrieben werden“, fordert der Virchowbund deshalb. „Ärzte dürfen weder gezwungen werden, sämtliche Inhalte der ePA zu sichten, noch dürfen sie irgendeine Verantwortung im Zusammenhang mit der ePA übernehmen müssen.

Die ePA ist ein nettes Gimmick für Patienten. Ärzte brauchen aber eine elektronische Fallakte, die nur die relevanten Daten standardisiert aufbereitet und nicht durch Lifestyle-Infos aus der Smartwatch überfrachtet wird.“

Der Virchowbund fordert schon seit geraumer Zeit eine elektronische Fallakte, über die Ärzte in Praxen und Kliniken datenschutzkonform und standardisiert Behandlungsdaten austauschen können. Im Gegensatz zur ePA, bei der Patienten über Zugriffsrechte und Inhalte bestimmen und auch selbst Datensätze verändern und löschen können, ist die Fallakte manipulationssicher und bietet echten Mehrwert für Behandler.

 

 

„Nur die Dokumentation in der Fallakte ist eine ärztliche Leistung“, erklärte die Bundeshauptversammlung des Virchowbundes Ende 2019 in Berlin. Sie müsse angemessen außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung vergütet werden.

In Bezug auf die ePA schlugen die ärztlichen Delegierten eine Evaluation in Testregionen vor, um den zusätzlichen Aufwand repräsentativ zu erheben und zu quantifizieren. Die im PDSG geplante zusätzliche Vergütung von einmalig 10 Euro pro Patient wird dem Arbeitsaufwand nach Einschätzung des Virchowbundes nicht gerecht.

Insgesamt soll das Patientendaten-Schutzgesetz den Patienten mehr Hoheit über ihre medizinischen Daten geben. Neben den Bestimmungen zur ePA enthält das PSDG daher noch eine Reihe weiterer Neuerungen.

Zum Beispiel schreibt es das Recht auf Datenspenden fest. Patienten können also freiwillig ihre Daten für die Forschung zur Verfügung stellen.

Sie sollen zudem per App auf eRezepte zugreifen können und diese eRezepte auch in der Apotheke einlösen können. Auch Überweisungen zum Facharzt sollen auf elektronischem Weg übermittelt werden können.

Genaue Vorgaben, wie diese Ideen in den Praxen umgesetzt werden können, fehlen aber noch.

 

 

Der Verband der niedergelassenen Ärzte (Virchowbund) kämpft dafür, die Budgetierung zu beenden, die ärztliche Selbstverwaltung zu stärken und die Freiberuflichkeit zu erhalten. Erfahren Sie hier, was berufspolitische Arbeit für Praxis-Ärzte verändert und warum es sich für Sie lohnt.

 

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