Moderna statt Biontech: Booster-Impfungen von Spahn ausgebremst

Das Gesundheitsministerium schränkt die Bestellungen des Impfstoffes "Corminaty" von BioNTech ein und sabotiert damit die Booster-Impfkampagne. Dr. Brigitte Szaszi, Hausärztin in Baden-Württemberg, platzt der Kragen.

Ganz ehrlich, Herr Minister Spahn, ich bin sauer!

Dr. med. Brigitte Szaszi
Hausärztin, Landesgruppenvorsitzende Baden-Württemberg

Sehr geehrter Herr Minister Spahn,

ich bin niedergelassene Allgemeinmedizinerin und schreibe Ihnen heute, weil ich das Gefühl habe, dass Sie uns Ärzte an der Basis vergessen haben. Ihnen scheint nicht klar zu sein, was meine Kolleginnen und Kollegen mit unseren Teams in den letzten Monaten geleistet haben und noch immer leisten müssen.

Die Corona-Pandemie bringt uns alle an unsere Grenzen. Sie selbst werden nicht müde, die Überlastung des medizinischen Systems regelmäßig in den Presseerklärungen und Diskussionsrunden zu erwähnen, sowie zur Begründung diverser Maßnahmen heranzuziehen.

Allerdings empfinden meine Kollegen und ich Ihre Bemühungen, das System zu entlasten, als konfus. Das medizinische Personal ist am Ende seiner Kräfte. Trotzdem versuchen wir alles, um die vierte Welle durch ein Vorantreiben der Impfungen abzuschwächen.

Seit Wochen verbringen Medizinische Fachangestellte Stunden am Telefon, um Impftermine zu vereinbaren. Wertvolle Patientenzeit geht durch das bürokratisch und logistisch aufgeblähte System verloren. Erst haben wir versucht, vulnerable Gruppen vorzuziehen, wie es die STIKO empfohlen hatte. Wir haben versucht, diese Personengruppe schnell zu impfen, und wurden dafür von anderen, nicht so dringlichen Personengruppen beschimpft, weil diese nicht schon gestern einen Impftermin bekommen haben.

Dann, auf einmal, ist diese Priorisierung Makulatur, weil sich plötzlich ALLE boostern lassen sollen, ungeachtet einer Priorisierung. Dieses Angebot wird angenommen. Der Ansturm und das Drängen am Telefon sowie in der Sprechstunde nimmt zu. First Come, First Served? Wir impfen, was das Zeug hält. Einen nach dem anderen.

Was mich jetzt aber wirklich aufregt, ist Ihre Ansage, dass die Bestellung von BioNTech-Impfdosen gedeckelt wird. Herr Minister, Sie werben täglich dafür, dass die Impfzahlen erhöht werden, und nun sollen wir Ärzte nicht mehr als fünf Ampullen BioNTech pro Woche bekommen? Das habe ich doch bestimmt falsch verstanden, oder? Sie meinen bestimmt 30 Ampullen pro Woche. Nein? Sie meinen wirklich 30 Impfdosen pro Arzt und Woche?

Wie genau soll ich mit fünf Ampullen den Impfturbo starten? Wissen Sie, was das bedeutet? Man müsste Patienten wieder abbestellen, wenn man motivationsgeladen für die nächsten Wochen oder Monate bereits mehr als 30 Impfwillige pro Woche einbestellt hat. Wie genau soll ich das machen? Soll ich auslosen, welcher meiner Patienten verschoben wird? Soll ich Streichhölzer ziehen lassen, wer statt BioNTech Moderna bekommt? Wissen Sie, Herr Minister, dass wir bereits bis Mitte Januar Impftermine vereinbart haben? Für mehr als 30 Personen. Deutlich mehr!

Laut aktueller STIKO-Empfehlung sollen wir bei den mRNA-Auffrischungen möglichst bei dem gleichen Wirkstoff bleiben und nur in Ausnahmefällen auf einen anderen ausweichen. Also wer BioNTech hatte, soll BioNTech erhalten.

Wer wird dann womit geimpft? Alle unter 30 sollen ja auch kein Moderna bekommen. Ach, und der Johnson & Johnson muss ja auch noch weg...  wen interessiert schon, dass da nach vier Wochen bereits eine Booster-Impfung empfohlen wird, weil dieser nicht so gut gegen die Delta Variante wirkt.

Wer muss jetzt die Fehlplanung der Regierung ausbaden, Herr Minister? Wer muss das den Patienten erklären? Kommen Sie vorbei und erklären die Problematik meinen Patienten? Haben Sie eine Ahnung, was das Ganze an Mehraufwand für die Praxen bedeutet?  Wieviel Unsicherheit hierdurch bei der Bevölkerung verursacht wird? Wie viel vermehrter Gesprächs- und Aufklärungsbedarf entsteht?

Ganz ehrlich, Herr Minister, ich bin sauer! Und enttäuscht. Sie haben den Bezug zur Basis leider völlig verloren.

Übrigens: Es gibt tatsächlich auch noch andere ärztliche Tätigkeiten zwischen Abstrich und Impfen. Also, ich meine mich dunkel zu erinnern ...

Herzlichst,

Dr. med. Brigitte Szaszi

 

Dr. Brigitte Szaszi ist Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württember des Virchowbundes und niedergelassene Allgemeinärztin. Der Verband der niedergelassenen Ärzte (Virchowbund) kämpft u. a. dafür, die Budgetierung zu beenden und die Freiberuflichkeit zu erhalten. Erfahren Sie hier, was berufspolitische Arbeit für Praxis-Ärzte verändert und warum es sich für Sie lohnt.

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