Landesgruppen Baden-Württemberg Bayern Saarland Rheinland-Pfalz Hessen Nordrhein Westfalen-Lippe Niedersachsen / Bremen Hamburg Schleswig-Holstein Mitteldeutschland Mitteldeutschland Mitteldeutschland Mecklenburg-Vorpommern Berlin/Brandenburg

GOÄ: Richtig steigern – wie geht das?

Wer immer alles zum Schwellenwert abrechnet, verschenkt Geld!

 

Die meisten niedergelassenen Ärzte sind bei der Abrechnung im Umgang mit Faktorerhöhungen zurückhaltend, weil sie Rückfragen von Patienten oder Kostenträgern scheuen. Dabei ist die variable Abrechnung in der Gebührenabrechnung ausdrücklich vorgesehen.

 

Was ist der Schwellenwert?

Der Schwellenwert ist der Wert, der den Durchschnitt einer Leistung abbildet – also quasi ein Mittelwert. Überdurchschnittlich schwierige Leistungen sind über dem Schwellenwert und unterdurchschnittlich aufwändige Leistungen unter dem Schwellenwert abzurechnen.

Die Gebührenordnung sieht drei verschieden Gebührenrahmen mit jeweils unterschiedlichen Schwellenwerten vor:

 

Abschnitt M – Labor

Gebührenrahmen 1,0 – 1,3

Schwellenwert 1,15

 

Abschnitte A, E und O

Gebührenrahmen 1,0 – 2,5

Schwellenwert 1,8

 

Alle anderen Abschnitte – ärztliche Leistungen

Gebührenrahmen 1,0 – 3,5

Schwellenwert 2,3

 

Über den Steigerungsfaktor darf der Arzt selbst „nach billigem Ermessen“ bestimmen. Der Patient oder die Versicherung haben keine Entscheidungsgewalt.

 

Steigerungen begründen

Eine Berechnung über dem Schwellenwert erfordert eine Begründung. Diese muss sich auf

  • die Schwierigkeit
  • den Zeitaufwand oder
  • die Umstände bei der Ausführung der einzelnen Leistung

beziehen.

 

Die Begründung muss verständlich und nachvollziehbar sein. Allgemeine „Floskeln“ wie „erhöhter Zeitaufwand“ oder „technisch schwierig“ sollten Sie besser vermeiden. Schon allein dadurch lassen sich die meisten Rückfragen verhindern.

Auf Verlangen müssen Sie die Begründung näher erläutern. Dafür ist eine gute und vollständige Leistungsdokumentation unerlässlich, denn die Begründung muss sich dort wiederfinden.

Wird z. B. eine Sonographie mit der Begründung „erhöhter Aufwand“ abgerechnet, der Befund jedoch nur mit „Oberbauchsono o. B.“ beschrieben, ist die Abrechnung nicht haltbar, auch wenn tatsächlich eine erschwerte Darstellung und Beurteilung aufgrund von Luftüberlagerung vorlag.

 

Beispiele für Begründungen der GOÄ-Steigerung

Begründung Anmerkung
Schwierige Differenzialdiagnostik bei unklaren Schmerzzuständen vor allem bei Anamneseerhebung und / oder Untersuchung
Schwere der Grunderkrankung vor allem bei Beratungen
Aufwändige Beratungen zu Therapieoptionen vor allem bei Beratungen, falls nicht Nr. 34 zutrifft
Wechselwirkungsproblematik bei Mehrfachmedikation bei Beratungen
Schwierige medikamentöse Einstellung z. B. bei Diabetes
Häufig wechselndes Beschwerdebild vor allem bei Anamneseerhebung und / oder Untersuchung
Komplexes Krankheitsbild / Erschwernis bei Begleiterkrankung vor allem bei Anamneseerhebung und / oder Untersuchung
Berücksichtigung umfangreicher Fremdbefunde besonders Erstanamnesen
Überdurchschnittlicher Zeitaufwand bei Mindestzeiten in der Leistungslegende erst ab ca. 50 % Überschreitung angemessen
Erschwerte Verständigung z. B. bei Fremdsprache oder bei Aphasie
schwierige Lagerung z. B. bei Verletzungen oder nach Schlaganfall
Erschwerte Leistungserbringung beim Säugling oder Kleinkind wenn Leistung nicht „kinderspezifisch“ ist oder kein Zuschlag K1/K2 berechnet werden kann
Untersuchung mehrerer Lokalisationen besonders bei Nr. 5 GOÄ
Zeitaufwändige Untersuchung von mehr als 4 Organen bei Ultraschalluntersuchungen
Erschwerte Darstellung und Beurteilung bei Luftüberlagerung bei Ultraschalluntersuchungen
schlechte Venenverhältnisse bei Blutentnahme oder Infusionen

 

Noch mehr Begründungen zur GOÄ-Steigerung finden Sie in unserer Praxisinfo "GOÄ-Multiplikator". Laden Sie diese und über 80 weitere Praxisinfos und Musterverträge für die Arztpraxis in unserem Mitgliederbereich herunter.

 

Mit freundlicher Unterstützung des PVS-Verbandes präsentieren wir Ihnen in regelmäßigen Abständen GOÄ-Abrechnungstipps im Praxisärzte-Blog und in unserem Newsletter für Praxisärzte.

 

Erfahren Sie mehr zum Thema Abrechnung, Honorar und Finanzen:

Praxisärzte-Blog: Tipps & Tricks, Berufspolitik & mehr | NAV-Virchow-Bund

GOÄ-Abrechnungstipps

präsentieren wir Ihnen mit freundlicher Unterstützung des PVS-Verbandes.

zur Webseite