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So lassen sich Verordnungsregresse im Einzelfall vermeiden

23. Oktober 2019 - Groß war das Interesse an dem öffentlichen Teil der diesjährigen Landeshauptversammlung am 23.10.2019. Dies lag sicherlich an der Auswahl des Themas: Wie kommt es zu Regressen, wie kann man Regresse vermeiden?

Volles Haus bei der Landeshauptversammlung Saarland im Virchowbund.

Referent war Michael Scharwath, der Leiter der gemeinsamen Prüfungseinrichtung Saarland. Das Thema war gut gewählt, da viele Ärztinnen und Ärzte zuvor die Information über Richtgrößenprüfungen erhalten hatten, zum andern aber auch in den letzten Quartalen vermehrt Verordnungsregresse im Einzelfall auf Antrag der Primär- und Ersatzkassen gestellt wurden.

Der Referent erläuterte den zum Teil mit emotionaler Betroffenheit teilnehmenden Kollegen wie das Prüfungsverfahren in Gang kommt und in welchen Fällen eine eigene Stellungnahme durchaus Sinn macht.

Orientiert an den wiederholt in den letzten Quartalen gestellten Prüfanträgen, wies er auf off-lable-use Verordnungen, die Nichtbeachtung der Form bei Rezeptausstellungen (falsche Unterschrift), aber auch die fehlerhafte Ausstellung von Bescheinigungen (Gefälligkeits-AU) hin und empfahl insbesondere die Beachtung der Anlage III der Arzneimittelrichtlinie über die Verordnung von Arzneimitteln in der vertragsärztlichen Versorgung. Diese enthält eine Übersicht über die Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse. An Fallbeispielen für fiktive Zulassungen, aber auch Medikamenten, deren Zulassungsstatus sich geändert hat (z. B. Aggrenox, Edronax), erläuterte er die Wichtigkeit, sich bezüglich des Zulassungsstatus eines Medikamentes vor Verordnung kundig zu machen. Zudem warnte er vor der Verordnung von Medizinalcannabis, auch als Fertigarzneimittel, ohne die Genehmigung der Krankenkasse abzuwarten, da in solchen Fällen mit formalen Verordnungsfehlern eine inhaltliche Prüfung über die Berechtigung der Verordnung überhaupt nicht mehr erfolgen könne.

Auch bei einer Verordnung während des Krankenhausaufenthaltes (Ausnahme Rehabilitationseinrichtung) sei der Regress nicht abzuwenden. Unkenntnis schütze nicht.

Insofern sei es besonders bei der Betreuung von Heimpatienten wichtig sich zu vergewissern, dass keine Bevorratungsverordnung seitens der Einrichtung erfolge. Sollte jedoch die Verordnung bei einem Heimpatienten noch zu Lebzeiten ausgestellt, das Rezept aber erst nach dem Todestag eingelöst sein, drohe in der Regel dem Verordner keinerlei Regress. Vor nachträglichen Verordnungen auf Wunsch eines Altenheimes riet er entschieden ab. Auch wies er auf die Notwendigkeit der Codierung einer zu der Medikation passenden Diagnose hin, was immer wieder in Vertretungsfällen unterlassen werde. Um sich vor einem Regress zu schützen sei es auch wichtig, insbesondere im MVZ oder der überörtlichen Gemeinschaftspraxis, penibel darauf zu achten, dass das Rezept ausschließlich vom behandelnden Kollegen unterschrieben wird. Nur beim fachgruppengleichen Arzt am gleichen Praxisstandort dürfen sich Kollegen vertreten, der Weiterbildungsassistent sollte mit im Auftrag (i.A.) unterschreiben.

Zuletzt wies er auf den Medikamentenregress bei Überschreiten der Verordnungsdauer hin, was insbesondere ein Behandlungsproblem bei austherapierten Patienten darstelle. Trotz guter Dokumentation beständen die Krankenkassen zunehmend auf den Regress, wenn die in der Fachinformation auf 2 oder 3 Wochen angegebene begrenzte Verordnungsdauer überschritten werde.

Häufig zu Regressen habe auch die Verordnung von Methylphenidat bei erwachsenen ADHS-Patienten geführt. Die Verordnung solle am geeignetsten durch einen spezialisierten Facharzt erfolgen, der zuvor testpsychologisch die retrospektive Erfassung des vorbestehenden ADHS im Kindesalter anhand eines validierten Testinstrumentes dokumentierte. Nur ausnahmsweise sollte der Hausarzt wegen des Regressrisikos die Folgeverordnung übernehmen.

Noch unklar sei der Umgang der Prüfungseinrichtung mit den in den letzten Monaten gehäuft eingegangenen, bisher unbekannten Anträgen bei Indikationseinschränkungen oder Beachtung besonderer diagnostischer Maßnahmen bei Aussendung eines Rote Hand Briefes der Pharmaindustrie. Über solche Anträge sei bisher noch nicht abschließend entschieden.

Der Referent empfahl zum Abschluss trotz des angesichts des Regressantrags der Krankenkasse empfundenen Verdrusses oder Ärgers gelassen zu bleiben und sein Verordnungsverhalten kritisch zu hinterfragen und zu ändern.

 

In der anschließenden geschlossenen Sitzung wurde der bisherige Landesvorstand bestätigt.

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