Frage 7: Substitution ärztlicher Leistungen

Patientenversorgung ist partizipativ, dabei spielen aber die Ärztin oder der Arzt nach wie vor eine zentrale Rolle. Die Einbindung weiterer Gesundheitsberufe und Kooperationsmodelle sind wichtige Bausteine bei der Weiterentwicklung zu einer patientenorientierteren Versorgung. Ärztliche Verantwortung ist aber nicht teilbar. Wie ist Ihre Haltung zur Akademisierung und Einbindung von nichtärztlichen Gesundheitsberufen und wie stehen Sie zur Substitution ärztlicher Leistungen?

In den Fällen, in denen keine Antworten von Parteien vorliegen, haben wir anhand der Wahlprogramme stichwortartig die jeweiligen Positionen ergänzt. Diese Antworten sind kursiv gekennzeichnet.

CDU und CSU wollen, dass Gesundheitsfachberufe attraktiv werden. Dazu werden wir die Aus- und Weiterbildung in den Gesundheitsberufen stärken und die Reform der Gesundheitsberufe vollenden. Die Kompetenzen der Heil- und Hilfsmittelerbringer wollen wir künftig stärker nutzen. Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) haben wir bereits in dieser Wahlperiode die Pflegefachkräfte gestärkt, weil wir überzeugt davon sind, dass es der Qualität der pflegerischen Versorgung dient, wenn alle an der pflegerischen Versorgung beteiligten Berufsgruppen entsprechend ihren fachlichen Qualifikationen verantwortungsvoll zusammenwirken. Deswegen haben wir geregelt, dass Pflegefachkräfte bestimmte Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel verordnen dürfen und Verordnungskompetenzen für bestimmte geeignete Leistungsbereiche in der häuslichen Krankenpflege erhalten. Außerdem haben wir festgeschrieben, dass die in Modellvorhaben erprobte Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegefachpersonen breit umgesetzt wird.

Eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung kann am besten durch eine Neuordnung der Rollenverteilung zwischen ambulantem und stationärem Sektor, durch eine Überwindung der Sektorengrenzen und eine gute Koordination und Kooperation der medizinischen, psychotherapeutischen und pflegerischen Berufe gelingen. Wir brauchen darum eine stärkere Öffnung von Krankenhäusern für ambulante, teambasierte und interdisziplinäre Formen der Versorgung.

Durch den wachsenden Anteil älterer und chronisch erkrankter Patient*innen müssen alle Gesundheitsberufe künftig besser und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Für eine gute Versorgung heißt das: Ärztliche und nichtärztliche Gesundheitsberufe werden weitaus stärker kooperieren müssen. Die nichtärztlichen Gesundheitsberufe, insbesondere qualifizierte Pflegekräfte, werden eine erweiterte Rolle erhalten. Sie werden Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen, die bisher unzureichend abgedeckt sind, und sie werden pflegerische Bedarfe eigenständig einschätzen und medizinisch-pflegerische Interventionen selbst durchführen müssen.

Dabei streben wir statt einer bloßen Delegation ärztlicher Aufgaben eine grundsätzliche Neuformulierung heilkundlicher Aufgaben innerhalb der ärztlichen und nichtärztlichen Gesundheitsberufe an. Dies umfasst konkret Rechtssicherheit für die Delegation und dauerhafte Übertragung ärztlicher Aufgaben an nichtärztliche Gesundheitsberufe sowie die Aufhebung des Arztvorbehaltes für bestimmte Tätigkeiten. Dazu ist mittelfristig eine konsistente berufsrechtliche Neuordnung der Gesundheitsberufe insbesondere durch neue gesetzliche Vorschriften zu Aufgaben und Tätigkeiten der Heilberufe sowie zur Anpassung des Haftungsrechts an die Erfordernisse einer kooperativen Berufsausübung zu entwickeln.

Seit Jahren verweisen zudem Studien und Gutachten immer wieder darauf, dass es eine neue Aufgabenteilung im Gesundheitswesen sowie mehr Kompetenzen auch für therapeutische Berufe braucht. Eine künftige Bundesregierung muss zusammen mit den Ländern einen verbindlichen Fahrplan zur Akademisierung der Berufe der Ergotherapie, der Logopädie und der Physiotherapie vereinbaren. Zu einem solchen Fahrplan gehört auch eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, wie die Kosten der Umstellung zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden. Ziel wäre es, die regulären Studiengänge in diesen Bereichen in der nächsten Wahlperiode starten zu können. An der Erstellung des Fahrplans sollten die entsprechenden Berufsverbände der Therapieberufe und die Hochschulverbände beteiligt werden. 

Wir stehen einer Akademisierung der Gesundheitsberufe aufgeschlossen gegenüber. In vielen Ländern innerhalb und außerhalb der EU ist dies bisher Standard und entfaltet positive Wirkung.

Im Gesundheitswesen kommt es heute mehr denn je auf Teamwork an. Deshalb dient eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Berufsgruppen dem Patientenwohl am meisten.

Wir Freie Demokraten setzen uns für die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten durch erfahrenes Pflegepersonal ein. Die Substitution und Delegation von definierten ärztlichen Leistungen an Pflegefachkräfte, vor allem mit akademischer Ausbildung, soll unter sicheren Rechts- und Haftungsverhältnissen ermöglicht werden. Damit tragen wir der Situation im Arbeitsalltag Rechnung und werten den Beruf auf.

Schon heute übernehmen in der Praxis Angehörige anderer Berufe weitere Aufgaben in ärztlicher Verantwortung und sowohl sie auch die verantwortlichen Ärzt*innen agieren in einer rechtlichen Grauzone. Ärzt*innen sind sowohl in der Klinik als auch in der ambulanten Versorgung starken Belastungen ausgesetzt. Grundsätzlich befürworten wir es, Ärzt*innen von Aufgaben zu entlasten, die auch von anderen Berufsgruppen übernommen werden können. Das ist bereits vielfach in anderen Staaten Praxis und hat nicht zu einer schlechteren Versorgung geführt. Voraussetzung ist selbstverständlich eine entsprechende Qualifizierung und ein rechtssicherer Rahmen.

keine Aussagen im Wahlprogramm

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