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WILDWUCHS BEI HAUSARZTMODELLEN – KEINE VERBESSERUNG DER QUALITÄT IN SICHT

24. Februar 2005 - eur Berlin, 22. Februar 2005 – Angesichts der stetig steigenden Zunahme an so genannten „Hausarztmodellen“ warnt der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, NAV-Virchow-Bund, vor einem Wildwuchs an Hausarztprogrammen ohne Verbesserung der Versorgungsqualität und betont, dass bis heute keines dieser Modelle dem eigentlichen Sinn des Gesetzes entspricht.
Inzwischen gibt es in zahlreichen Regionen „Hausarztverträge“ unterschiedlichster Art und Ausgestaltung mit den verschiedensten Kassen als Beteiligte.

eur Berlin, 22. Februar 2005 – Angesichts der stetig steigenden Zunahme an so genannten „Hausarztmodellen“ warnt der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, NAV-Virchow-Bund, vor einem Wildwuchs an Hausarztprogrammen ohne Verbesserung der Versorgungsqualität und betont, dass bis heute keines dieser Modelle dem eigentlichen Sinn des Gesetzes entspricht.

Inzwischen gibt es in zahlreichen Regionen „Hausarztverträge“ unterschiedlichster Art und Ausgestaltung mit den verschiedensten Kassen als Beteiligte.

Durch diese unkoordinierten Vertragsabschlüsse, die an einen Goldgräber-Rausch erinnern, wird den niedergelassenen Ärzten ein Mehr an Bürokratie zugemutet und ihnen der Einstieg in eine kassengelenkte Medizin vorgegeben. Ärzte lassen sich bei Teil-nahme an einem solchen Modell vordergründig von finanziellen Anreizen leiten, oftmals ohne zu wissen, dass sie sich mit ihrer Teilnahme einem massiven Einfluss auf ihr ärztliches Handeln aussetzen. Durch Verträge dieser Art wird in den Hausarztpraxen eine Kassenmedizin etabliert, die dem Patienten die freie Arztwahl und dann den Ärzten die Therapiefreiheit nimmt. Dabei missbrauchen die Krankenkassen niedergelassene Ärzte als Akquisitionsinstrument für Versicherte.

Indessen ist es das offensichtliche Bestreben der Krankenkassen – egal ob als Einkaufs- oder Verkaufsmodell beschrieben –, eine Selektion an Ärzten zu treffen. Als Kriterium wird dabei stets die bessere Qualität vorgeschoben, jedoch der günstigere Preis gemeint.

Eine Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung wird zwar von allen Akteuren stets behauptet, es weist jedoch nichts in den Verträgen darauf hin, was auf eine nennenswerte Verbesserung an Qualität über den Status Quo hindeute. Die vertraglichen Inhalte sind zumeist eine Beschreibung der Realität der hausärztlichen Versorgung. Aussagen über Qualitätsverbesserungen der Versorgung sind daher „reine Lippenbekenntnisse“ die zwar stets behauptet, aber nicht belegt werden. Belegt ist hingegen, dass die Vielfalt an Hausarztmodellen ein Vielfaches an Bürokratie in den Arztpraxen nach sich ziehen wird. Ein durchschnittlicher Hausarzt hat Patienten von rund 150 Krankenkassen. Würde jede ein eigenes Hausarztmodell anbieten, fielen entsprechend viele Patienten-Aufklärungen, Dokumentationen, Fragebögen, Leitlinien, Verträge und Vereinbarungen an.

Der Patient hat inzwischen längst den Überblick verloren und ist über die zukünftige Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung zutiefst verunsichert. Er stellt sich die Frage, ob hausärztliche Qualität nur noch in „Hausarztprogrammen“ sichergestellt ist oder ob die Behandlung in diesen Programmen nicht zu sehr fremdbestimmt ist.

Keines der bislang vorgestellten Hausarztmodelle entspricht dem Geist des Gesund-heitssystem-Modernisierungsgesetzes (GMG), in dem erstmals Modelle zur „hausarztzentrierten Versorgung“ vorgesehen sind.

Daher hat der Verband der niedergelassenen Ärzte folgende Kriterien als Eckpunkte für eine zukunftssichere und qualitativ hochwertige hausärztliche Versorgung bestimmt:

  • Keine Rationierung medizinischer Behandlung oder Einschränkung der Therapiefreiheit durch ein Hausarztsystem

  • Die flächendeckende hausärztliche Versorgung muss sichergestellt bleiben

  • Erhalt der freien Arztwahl bei Haus- und Fachärzten

  • Honorierung einer „hausarztzentrierten Versorgung“ nach dem GMG außerhalb der ambulanten Gesamtvergütung. Eine Verknüpfung mit Elementen der Integrierten Versorgung und einer daraus resultierenden 1%igen Kürzung der Gesamtvergütung ist ein Willkürakt.

  • klar definierte zusätzliche Anforderungen, wie sie das GMG beispielhaft nennt: Stärkung der Palliativmedizin, Schmerztherapie, Behandlung von Alterserkrankungen.

  • Investitionen für zertifizierte Qualitätssicherung in den Arztpraxen und zusätzliche EDV-Ausstattung müssen honoriert werden

  • Fortbildung nach hausärztlich definierten Vorgaben, zum Beispiel durch die Fachgesellschaften

  • Übergeordnete Zielsetzung: Verringerung des Dokumentationsaufwandes, Effizienzsteigerung der Kommunikation zwischen Ärzten und anderen Leistungserbringern und Verringerung der Bürokratie in den Praxen der niedergelassenen Ärzte

Alle bis heute bekannten Hausarztmodelle stehen im Widerspruch zur stets proklamierte Souveränität und Eigenverantwortung des Patienten, weil genau das Gegenteil vom Patienten erwartet wird: Die Teilnahme an einem gelenkten und festgelegten Medizinprogramm unter Aufgabe seiner Mündigkeit.

Der NAV-Virchow-Bund ist der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

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