Praxisschließungen drohen – Patientenversorgung in Gefahr

Mainz, 8. November 2022 – Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) und die rheinland-pfälzischen Berufsverbände warnen vor einer akuten Gefahr für die ambulante Patientenversorgung. Konkret drohen dauerhafte Praxisschließungen, lange Wartezeiten und zunehmende Versorgungslücken.

Stephan Kraft, Landesgruppenvorsitzender Rheinland-Pfalz

Anlass dafür sind neben falschen politischen Weichenstellungen die hohe Inflation und die damit verbundenen massiven Kostensteigerungen. Diese gefährden immer mehr vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Praxen in ihrer Existenz. Die unten aufgeführten berufsständischen Vertretungen im Land stehen daher geschlossen hinter der Forderung an die Politik, einen finanziellen Inflationsausgleich zu schaffen. Das hat auch die Protestaktion der KV RLP am 12. Oktober 2022 in Ingelheim gezeigt. Nur durch ein wirkungsvolles Abfedern der Ausgabenentwicklung in den Praxen können die ambulanten Strukturen weitgehend erhalten werden.

 

Praxen unter wachsendem Kostendruck

Viele Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten werden ihre Praxen unter den gegebenen Bedingungen nicht länger kostendeckend führen können. Die Energiekosten und die aktuelle Inflationsrate von 10 Prozent treiben die Ausgaben auch hier massiv in die Höhe. Hinzu kommt die vergleichsweise viel zu niedrige Entwicklung des Orientierungswerts von 2 Prozent, die nicht annährend ausreicht, um die steigenden Kosten auszugleichen. Ohne finanziellen Inflationsausgleich werden Praxisinhabende daher vermehrt gezwungen sein, ihre Praxen für Stunden, Tage oder sogar dauerhaft zu schließen. Die Versorgung kann unter solchen Umständen in der bisherigen Form kaum noch sichergestellt werden.

 

Versorgungssituation immer angespannter

Um die Patientenversorgung vor Ort aufrechtzuerhalten, haben viele Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihre Praxen bislang auch noch bis ins hohe Alter weiterbetrieben. Aufgrund der aktuellen Lage ist aber zu erwarten, dass nicht wenige von ihnen ihre Praxistätigkeit nun aufgeben werden. Gerade im ländlichen Raum wird dies die ohnehin schon angespannte Versorgungssituation weiter verschärfen. Zusätzlich ist der ärztliche und psych­otherapeutische Nachwuchs immer weniger dazu bereit, sich in einer eigenen Praxis niederzulassen – dies nicht zuletzt wegen der unsicheren finanziellen Perspektive. Mit Blick auf die beginnende Ruhestandswelle stellt dies eine Entwicklung dar, die die gesamte ambulante Patientenversorgung bedroht.

 

Wettbewerbsnachteile am Arbeitsmarkt

Praxisinhabende tragen nicht nur die Verantwortung für die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten, sondern auch für die wirtschaftliche Situation der Praxis und damit für die Arbeitsplätze der Angestellten. Neben den Medizinischen Fachangestellten zählen hierzu im ambulanten Bereich inzwischen knapp 30 Prozent angestellte Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Erfolgt kein finanzieller

Ausgleich für die massiv gestiegenen Kosten, kann den Angestellten kein adäquates, wettbewerbsfähiges Gehalt gezahlt werden. Die schon jetzt bestehenden Gehaltsunterschiede zu anderen Mitwettbewerbenden auf dem Arbeitsmarkt werden sich vergrößern, viele Angestellte werden die vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Praxen verlassen. Nach der beschlossenen Streichung der Neupatientenregelung wird dies eine weitere Schwächung der Patientenversorgung zur Folge haben. Die ambulanten Strukturen werden spürbar geschwächt.

 

Inflationsausgleich sichert Versorgung

Vor diesem Hintergrund fordern die KV RLP und die unten aufgeführten rheinland-pfälzischen Berufsverbände die politisch Verantwortlichen dazu auf, schnell zu handeln und für die vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Praxen kurzfristig einen finanziellen Ausgleich zu schaffen. Die jüngsten politischen Entscheidungen wie die Abschaffung der Neupatientenregelung haben die wirtschaftliche Lage der Praxen weiter verschärft, die steigenden Energie- und Betriebskosten bringen viele an ihre existenziellen Grenzen. Nur durch einen Inflationsausgleich können die ambulanten Strukturen erhalten bleiben und die Versorgung sichergestellt werden.  

 

Gemeinsame Pressemitteilung der KV RLP und folgender Berufsverbände in Rheinland-Pfalz:

  • Arbeitsgemeinschaft Niedergelassener Chirurgen e.V.
  • Arbeitsgemeinschaft niedergelassener diabetologisch tätiger Ärzte e.V.
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V.
  • Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V.
  • Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V.
  • Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.
  • Berufsverband der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (BPM) e.V.
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V.
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
  • Berufsverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner e.V.
  • Berufsverband Deutscher Humangenetiker e.V.
  • Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V.
  • Berufsverband Deutscher Laborärzte e.V.
  • Berufsverband Deutscher Nervenärzte e.V. 
  • Berufsverband Deutscher Neurologen e.V.
  • Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
  • Berufsverband Deutscher Rheumatologen e.V.
  • Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V.
  • Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.
  • Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e.V.
  • Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V.
  • Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.
  • Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V.
  • Deutsche PsychotherapeutenVereinigung e.V.
  • Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.
  • Hartmannbund – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
  • Hausärzteverband Rheinland-Pfalz e.V.
  • Marburger Bund Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
  • Virchowbund – Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.

Der Virchowbund ist der einzige freie ärztliche Verband, der deutschlandweit ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.

Virchowbund
Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
Geschäftsführer Kommunikation und Marketing: Adrian Zagler
Pressereferentin: Dr. Diana Michl
Chausseestraße 119b
10115 Berlin
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