Praxisabgabe und Praxisverkauf planen

Denken Sie darüber nach, Ihre Praxis zu verkaufen? Hier erfahren Sie, was während der Praxisabgabe auf Sie zukommt, wie Sie den besten Verkaufspreis erzielen, einen Käufer finden, die Praxisübernahme organisieren und was mit dem Praxispersonal und den Patientenakten passiert.

Diesen Artikel teilen

Praxisabgabe planen

Planung ist das A und O für eine erfolgreiche Praxisabgabe. Sie sollten damit mindestens fünf Jahre, bevor Sie die Praxis verkaufen wollen, starten. So haben Sie genug Zeit, einen Nachfolger-Arzt zu finden und sich ausführlich beraten zu lassen. Wir empfehlen Beratung in drei Bereichen:

  • rechtlich
  • wirtschaftlich
  • steuerlich

Wichtig ist, dass Sie dabei immer eine individuelle Beratung suchen und sich nicht auf bloße Muster und Vorlagen verlassen. Nur so können Sie sicher sein, dass Sie wirklich das Bestmögliche aus dem Praxisverkauf herausgeholt haben. Im Praxisärzte-Blog lesen Sie über typische Fehler bei der Praxisabgabe.

In Ihrem Mitgliedsbeitrag beim Virchowbund ist die unbegrenzte Rechtsberatung schon enthalten.

Andrea Schannath
Rechtsberatung

Als ersten Schritt sollten Sie Sie Ihre eigenen Erwartungen an die Praxisübergabe definieren, also wann, an wen und für welchen Preis Sie verkaufen wollen. Das macht später die Verhandlungen für beide Seiten sehr viel einfacher.

Offener Planungsbereich oder Ausschreibung

Ein wichtiger Faktor für die Praxisabgabe sind Zulassungssperren. Liegt Ihre Praxis in einem offenen oder einem geschlossenen Planungsbereich?

Ist der Planungsbereich offen und es gibt keine Zulassungssperren, können Sie ohne besondere Hindernisse und ohne Antrag einen Nachfolger suchen.

In einem geschlossenen Planungsbereich müssen Sie Ihren Arztsitz über die Kassenärztliche Vereinigung ausschreiben lassen – auch, wenn Sie schon einen Interessenten gefunden haben. Melden Sie der KV mindestens 9 Monate vor der Praxisübergabe, dass Ihr Arztsitz frei wird.

Sie haben keine Garantie, dass Ihr Wunschnachfolger auch tatsächlich Ihre Zulassung erhält. Wenn aber keine anderen Gründe dagegensprechen, wird man sich im Zulassungsausschuss daran halten.

Schritt für Schritt

Wie das Nachbesetzungsverfahren genau abläuft, lesen Sie in unserer ausführlichen Praxisinfo „Praxisabgabe“. Am Ende dieser Seite können Sie die Praxisinfo als PDF herunterladen.

Wichtig für Sie zu wissen: Der Zulassungsausschuss kann den Nachbesetzungsantrag ablehnen. Der Arztsitz wird dann nicht nachbesetzt, sondern eingezogen. Kein neuer Arzt darf sich niederlassen. Weil Sie das um einen Käufer für Ihre Arztpraxis bringt, haben Sie Anspruch auf Entschädigung.

Praxisbewertung

Woran bemisst sich der Wert einer Praxis? Die wichtigsten Faktoren für den Praxiswert sind:

  • Lage und Verkehrsanbindung, barrierefreier Zugang
  • Infrastruktur (Parkplätze, Apotheke und Zuweiser ...)
  • Alter der Geräte und Praxiseinrichtung
  • Image, Bekanntheit
  • Patientenstruktur, Selbstzahlerrate, Kooperationsverträge
  • Größe und Raumaufteilung
  • Restlaufzeit des Praxismietvertrags
  • Regionale Versorgung (Wie ist der Notdienst geregelt?)

 
Für die Praxiswertermittlung gibt es verschiedene Methoden. Alle haben Vor- und Nachteile und sind daher immer nur eine Richtschnur für die anschließende Verhandlung, keine absolute Wahrheit. Trotzdem ist ein professionelles Gutachten sinnvoll.

Die Bundesärztekammermethode ist das häufigste Verfahren, um den Praxiswert zu ermitteln. Dabei wird einerseits der materielle Wert (Substanzwert) der Praxis errechnet, also Einrichtung, EDV, Geräte etc. Ergänzend wird aber auch der immaterielle Wert (Goodwill) einbezogen.

Basis für den Goodwill ist der Jahresdurchschnittsumsatz der letzten drei Kalenderjahre. Dieser wird um Praxisbesonderheiten reduziert oder gesteigert. Dann wird der fiktive Arztlohn abgezogen. Die Restsumme wird durch 3 dividiert: Das ergibt den Goodwill. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie sich am bisherigen Umsatz orientiert, aber auch individuelle Besonderheiten berücksichtigt – zum Beispiel den Patientenstamm.

Mehr erfahren

Mehr Informationen zur Bundesärztekammermethode und zu den anderen Methoden zur Ermittlung des Praxiswerts finden Sie in unserer Praxisinfo „Praxisabgabe“.

Eine Einführung in Buchhaltung für Ärzte bekommen Sie in unserer Praxisinfo „Die Auswertung Ihrer Buchhaltung“.

Den besten Verkaufspreis erzielen

In fast jeder Praxis gibt es Wege, den Praxiswert kurzfristig oder mittelfristig zu steigern. Investitionen in das Erscheinungsbild der Praxis lohnen sich. Je attraktiver die Praxis für den Käufer, desto höher der Preis, den er bereit ist zu zahlen. Tipps, was Sie zur Wertsteigerung tun können, geben wir im Praxisärzte-Blog.

Steuer sparen: Als abgebender Arzt können Sie von steuerlichen Begünstigungen profitieren. Der Gewinn aus dem Verkauf Ihrer freiberuflichen Praxis wird besteuert. Sie können aber einmalig einen Freibetrag (bis zu 45.000 Euro) in Anspruch nehmen und die Besteuerung zum halben Steuersatz beantragen, wenn Sie:

  • älter als 55 Jahre sind
  • dauerhaft berufsunfähig sind
  • weniger als 181.000 Euro Veräußerungsgewinn erzielt haben
  • Ihre bisherige Tätigkeit aufgeben

Sie dürfen nach der Übergabe eine gewisse Zeit keine neue Praxis führen, sonst müssen Sie den Freibetrag und die Steuervorteile zurückzahlen.

Sie können aber weiter als angestellter Arzt praktizieren. Nutzen Sie dafür unseren Muster-Anstellungsvertrag und lesen Sie mehr in unserer Praxisinfo „Angestellter Arzt“. Wir beraten Sie gerne, welche Tätigkeit Sie wann und wie ausführen dürfen.

Auch der Zeitpunkt, wann die Praxis verkauft wird, kann sich positiv oder negativ auf Ihren Steuersatz auswirken. Wenn Sie zum Jahresende verkaufen wollen, klären Sie mit Ihrem Steuerberater, ob nicht vielleicht der Anfang Januar günstiger wäre.

Wie finde ich einen Praxisnachfolger?

Die schwierigste Aufgabe ist es, einen Nachfolger zu finden. Wer erst ein bis zwei Jahre vor dem geplanten Ruhestand zu suchen beginnt, wird es schwer haben. Betreiben Sie lieber eine aktive Nachfolgeplanung.

Hospitationen, Block-Praktika und PJ-Quartale: Lassen Sie Studierende Ihre Tätigkeit live miterleben. Diese Erfahrung ist überzeugender als jede Werbeanzeige. Bis die Studierenden zu niedergelassenen Ärzten werden, vergehen 5 bis 10 Jahre. Beginnen Sie also rechtzeitig.

Erstellen Sie ein Exposé. Professionelle, ansprechende Fotos gehören unbedingt zum Angebot. Zählen Sie die besten Kaufgründe auf: Warum sollte sich ein neu niedergelassener Arzt ausgerechnet für Ihre Praxis entscheiden? Zusätzlich empfehlen wir, das Inventar und die bestehenden Verträge inklusive der Konditionen aufzulisten. Mit absoluter Transparenz erzeugen Sie Vertrauen.

Inserieren Sie frühzeitig in KV-Blättern, regionalen Medien, Fachzeitschriften und Praxisbörsen.

Aktivieren Sie Ihr Netzwerk und suchen Sie Kontakt zu Ihrer Kommune, Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung, nahe gelegenen Medizin-Unis, Ärztenetzen und anderen Praxen. Mundpropaganda wirkt. Ein starkes Netzwerk ist außerdem attraktiv für junge Ärzte, die sich meist mehr Teamarbeit wünschen.

Während der Vorverhandlungen zur Praxisübernahme sollten Sie eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterzeichnen. Eine Vorlage dafür können Sie unter unseren Musterverträgen herunterladen.

Praxisnachfolge organisieren

Klappt alles, können Sie schon bald einen Vertrag zur Praxisübernahme schließen. Den Praxisübernahmevertrag als Vorlage zum Download finden Sie auch am Ende dieser Seite.

Vergessen Sie nach Vertragsabschluss nicht, der KV, Ärztekammer, Kommune, Dienstleistern und Vertragspartnern mitzuteilen, dass Sie die Praxis übergeben.

Möglicherweise will Ihr Nachfolger erst ein paar Jahre im Jobsharing mitarbeiten, bevor er voll einsteigt. In diesem Fall können Sie eine Übergangskooperation vereinbaren. Bei Interesse beraten wir Sie gerne zu Ihren Optionen.

 

Was wird aus dem Personal?

Ein Praxisverkauf ist rechtlich ein Betriebsübergang. § 613 a des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) regelt, dass die Arbeitsverträge in einem solchen Fall weiterbestehen. Der neue Besitzer der Arztpraxis übernimmt automatisch sämtliche Angestellten. Während der Arbeitgeber kein Sonderkündigungsrecht hat, dürfen die Praxismitarbeiter sehr wohl widersprechen.

Um Probleme zu vermeiden, sollten Sie Ihre Mitarbeiter rechtzeitig über die geplante Praxisabgabe informieren. Nutzen Sie dafür das Muster-Schreiben des Virchowbundes (Download am Seitenende).

 

Was passiert mit den Patientenakten?

Die Patientenunterlagen dürfen Sie nicht einfach dem neuen Praxisinhaber übergeben. Das widerspricht der Schweigepflicht. Sie brauchen die explizite Einwilligung Ihrer Patienten. Auch dafür lohnt sich eine Übergangskooperation.

Mit dem Zwei-Schrank-Modell können Sie Patientenunterlagen nach der Übergabe sauber trennen. Im Praxisärzte-Blog erklären wir, wie es funktioniert.

Prüfen Sie unbedingt, ob Ihre Berufshaftpflichtversicherung auch Nachhaftung miteinschließt. Krankenkassen oder Patienten erheben vielleicht nachträglich Ansprüche gegen Sie.

Tipp

Über die Haftpflichtversicherung von Ecclesia Med können Sie sich als Virchowbund-Mitglied vor und nach der Abgabe günstig absichern. Dieser Tarif wurde speziell für unsere Mitglieder entwickelt und ist auf dem freien Markt nicht erhältlich.

Machen Sie sich die Praxisabgabe einfacher

Bevor Sie die Praxis abgeben und in Ruhestand gehen können, wartet noch viel Arbeit auf Sie. Mit Profis an Ihrer Seite können Sie viel Zeit, Geld und Ärger sparen. Wir haben schon viele Abgaben erfolgreich begleitet und unterstützen Sie gerne mit unserer Rechtsberatung und über 90 Vertragsvorlagen und Praxisinfos speziell für die Arztpraxis.

Mitglieder wissen mehr!

Virchowbund-Mitglieder erhalten vollen Zugriff auf

  • über 90 Praxisinfos und Musterverträge zum Download
  • persönliche Rechtsberatung
  • exklusive Partnerangebote
  • Webinare, Networking-Events
  • u. v. m.

Entdecken Sie alle Vorteile.

Mitglied werden

Praxis-Knowhow

Berufsausübungsgemeinschaft

Alles über Vor- und Nachteile und was Sie zur BAG-Gründung wissen müssen.

Praxis-Knowhow

Jobsharing

Lernen Sie die Möglichkeiten kennen, im Jobsharing mit einem Kollegen zu arbeiten.

Praxis-Knowhow

BAG und MVZ auflösen

Wie Sie eine ärztliche Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) bzw. ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) auflösen und die…

Zu den Downloads

Cookie-Einstellungen

Wir nutzen Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen und unsere Kommunikation mit Ihnen zu verbessern. Wir berücksichtigen Ihre Auswahl und verwenden nur die Daten, für die Sie uns Ihr Einverständnis geben.

Diese Cookies helfen dabei, unsere Webseite nutzbar zu machen, indem sie Grundfunktionen wie Seitennavigation und Zugriffe auf sichere Bereiche ermöglichen. Unsere Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren.

Diese Cookies helfen uns zu verstehen, wie Besucher mit unserer Webseite interagieren, indem Informationen anonym gesammelt werden. Mit diesen Informationen können wir unser Angebot laufend verbessern.

Diese Cookies werden verwendet, um Besuchern auf Webseiten zu folgen. Die Absicht ist, Anzeigen zu zeigen, die relevant und ansprechend für den einzelnen Benutzer und daher wertvoller für Publisher und werbetreibende Drittparteien sind.