Ärzteprotest gegen Lauterbach: Am Mittwoch bleibt die Praxis zu

Können und wollen die niedergelassenen Ärzte den Sicherstellungsauftrag weiterhin erfüllen? Unser Gastautor Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes, ruft Hausärztinnen und Fachärzte zum Protest auf.

 

Demografischer Wandel und gleichzeitiger medizinischer Fortschritt führen zu immer höheren Ausgaben, die auf zu wenige Schultern verteilt werden können. Der Ärztemangel wird durch eine Rentenwelle in den kommenden Jahren massiv verschärft. Dazu kommt der Fachkräftemangel bei MFA, MTA und anderem Praxispersonal. Die massive Belastung während der Pandemie hat dazu geführt, dass immer mehr MFA in andere Berufe abwandern.

Die meisten dieser Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt. Nicht umsonst fordert der Virchowbund Jahr für Jahr mehr Medizinstudienplätze, das Ende der Budgetierung, Anreize zur Niederlassung und viele weitere notwendige Reformen. Doch allen Warnungen und Appellen zum Trotz blieb die Politik untätig. Die notwendigen Systemreformen wurden Jahr um Jahr verschleppt. Geändert hat sich nur, dass den niedergelassenen Ärzten sowie den MFA immer weniger Wertschätzung entgegengebracht wird.

Und nun auch noch die exorbitant steigenden Preise, die nicht adäquat durch EBM und GOÄ abgefedert werden.

Die Politik, allen voran der Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach, versucht indes der Bevölkerung vorzumachen, Einsparungen im ambulanten Bereich wären möglich ohne gleichzeitig Leistungen zu kürzen. Wir wissen, dass dem nicht so ist.

Angesichts dieser Entwicklungen müssen wir, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, uns fragen: Können und wollen wir den Sicherstellungsauftrag weiterhin erfüllen? Sind wir überhaupt noch in der Lage, als Vertragsärzte die ambulante Versorgung flächendeckend und wohnortnah im Sinne unserer Patienten zu gewährleisten?

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte dürfen qua Gesetz nicht streiken. Deshalb müssen wir zu kreativeren Formen des Protests greifen.

Eine davon ist die Vier-Tage-Woche in den Praxen. Mittwochs sollten die Haus- und Facharztpraxen geschlossen bleiben. Vielleicht anfangs erst einmal nur an einem Mittwoch im Monat: Der Ausfall lässt sich so leicht an anderen Tagen wieder kompensieren, es drohen weder finanzielle Einbußen noch stauen sich die Patienten. Und dennoch setzt man ein Zeichen – vor allem, wenn viele Praxen mitmachen.

Patienten, die vor verschlossener Türe stehen: Das sind Bilder, die die Medienmaschine zum Rotieren und Politiker zum Schwitzen bringen.

Dr. Dirk Heinrich
Bundesvorsitzender des Virchowbundes

Den Patienten gegenüber erklären wir den Mittwoch zum Bürokratie-Tag. Die Praxis bleibt geschlossen, um die überbordende Bürokratie abzuarbeiten, die der Gesetzgeber und die Kassen uns aufhalsen. So bleibt wenigstens an den anderen Tagen mehr Zeit für die Patienten. Der eigens eingeführte Bürokratie-Tag ist auch eindrückliches Symbol dafür, wie viel ärztliche Arbeitszeit durch Dokumentationspflichten, Prüfanfragen und andere Zeitfresser verloren geht.

Diese Maßnahme können wir über lange Zeit aufrechterhalten und bei Bedarf auch noch verschärfen: Aus einem Tag im Monat werden zwei, drei, vier.

Am 15. Februar 2023 werde ich meine Praxis schließen. Meine MFA haben einen freien Tag verdient und ich kann mich in dieser Zeit der Fortbildung und dem Papierkram widmen. Sind Sie dabei?

 

Dr. Dirk Heinrich ist niedergelassener HNO-Arzt in Hamburg und Bundesvorsitzender des Verbandes der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte (Virchowbund). Wir kämpfen dafür, die Budgetierung zu beenden, die ärztliche Selbstverwaltung zu stärken und die Freiberuflichkeit zu erhalten. Abonnieren Sie jetzt den Newsletter zu Berufspolitik, Praxisführung und Medizinrecht.

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