GOÄ: Wundversorgung und Fremdkörperentfernung abrechnen

Bei der Abrechnung der Wundversorgung nach GOÄ wird nach Wundart und -ursache unterschieden. Diese Ziffern können Sie ansetzen:

 

Was gilt als Wunde?

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) kennt in den Ziffern 2000 bis 2006 GOÄ Wunden, die durch

  • mechanische Gewalt (Stoß, Hieb, Stich, Schnitt, Quetschung, Schürfung oder Schuss)
  • thermische Einwirkung (z. B. Hitze oder Kälte)
  • elektrische Einwirkungen
  • ionisierende Strahlen

entstanden sind.

Außerdem unterscheidet sie zwischen der Versorgung von

  • frischen Wunden (Ziffern 2000 bis 2005 GOÄ)
  • älteren, chronischen oder schlecht heilenden Wunden (z. B. eiternde Wunden, Wunden mit Nekrosen, Geschwüre; Ziffer 2006 GOÄ)
Achtung

Dokumentieren Sie klar und eindeutig die Anzahl der versorgten Wunden sowie deren Größe, um so die entsprechenden GOÄ-Ziffern nebeneinander abrechnen zu können. Die Art, Ursache sowie die betroffenen Bereiche der Wunde sollten unbedingt sowohl in der Patientenakte als auch in der Rechnung vermerkt werden.

Frische Wunden

Für die kleine Wundversorgung stehen die Leistungen nach den Ziffern 2000 bis 2002 GOÄ zur Verfügung, bei der großen Wunde werden die Ziffern 2003 bis 2005 GOÄ eingesetzt.Was als „kleine“ oder „große“ Wunde gilt, leitet sich indirekt u. a.  aus dem EBM (Ziffer I Nr. 4.3.7 Absatz 1) ab.

Wundausdehnungkleingroß
Länge<3 cm<3 cm
Fläche<4 cm>4 cm
Volumen< 1 cm> 1cm

Nur bei der Ziffer 2006 GOÄ ist die Größe der Wunde irrelevant.

Kinderwunden

Bei Kindern bis einschließlich 5 Jahren sind Wunden am Kopf, sichtbarem Hals oder Händen immer als groß anzusehen.

Zusätzlich zur Größe wird auch unterschieden nach

  • Verschmutzungsgrad (stark verunreinigt)
  • Naht (mit Naht/ohne Naht)
  • Notwendigkeit einer Umschneidung

Je nach Kombination wird eine andere GOÄ-Ziffer angesetzt:

Wundstatusohne Nahtnur Naht, keine UmschneidungNaht und Umschneidung
klein2000 GOÄ2001 GOÄ2002 GOÄ
groß2003 GOÄ2004 GOÄ2005 GOÄ
verunreinigt2003 GOÄKeine GOÄ-Position2005 GOÄ

 

Ausschlüsse und Nebeneinander-Abrechnung

Die Wundversorgung nach den Ziffern 2000 ff.  GOÄ umfasst die Versorgung der Wunde von Haut und Unterhautfettgewebe mit Säuberung, Blutstillung, Verband etc., jedoch nicht die Lokalanästhesie.

Zusätzlich zur Wundversorgung können in der GOÄ in der Regel die Verbände nach den Ziffern 200 bis 208 oder 210 und 211 GOÄ angesetzt werden. Ausgeschlossen neben den als operativ eingestuften Wundversorgungsleistungen nach den Ziffern 2000 bis 2005 GOÄ ist lediglich der einfache Verband nach Ziffer 200 GOÄ. Dieser kann aber z.B. neben der Ziffer 2006 GOÄ angesetzt werden.

Nicht vergessen

Rechnen Sie auch die Auslagen nach § 10 zu den Verbänden und zu den Wundversorgungsziffern ab.

Fremdkörperentfernung

Die Entfernung von Zecken, Insektenstacheln, etc. können Sie analog der Ziffer 2007 GOÄ abrechnen, sofern der Fremdkörper mittels einer Pinzette entfernt wurde.

Wird ein Fremdkörper unter einem Fingernagel mit einer Splitterpinzette entfernt, dürfen Sie die Ziffer 2009 GOÄ ansetzen – auch mehrfach, wenn mehrere Fremdkörper entfernt werden. Ist im Zuge der Entfernung eine Naht und/oder ein Verband notwendig, kann diese zeitaufwändigere Versorgung durch eine Steigerung des Faktors ausgeglichen werden. Lesen Sie hier weiter zum Thema GOÄ-Steigerung.

Für das Entfernen von Klammern oder Fäden ist je Wunde die Ziffer 2007 GOÄ einmal berechnungsfähig. Dokumentieren Sie in der Patientenakte und auf der Rechnung namentlich die Körperregion. Auch diesen Arbeitsaufwand können Sie über die Faktorsteigerung auffangen. Hier lesen Sie, was eine GOÄ-Rechnung beinhalten muss.

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